Zuckerfabrikation. 1143
französischen Fabriken im Grossen angewendet worden und damit einebemerklich grössere Zuckerausbeute resultirt sein.
So sinnreich indessen die ganze Methode erscheint, und obwohlder Weingeist anscheinend eine beträchtliche Reinigung der Säftebewirkt, so hat sie doch nach Untersuchungen Stammer’s 1 ) nur ge-angen Werth im Vergleich zu den jetzt üblichen Saftbehandlungswei-Se n und dürfte daher keine grosse Verbreitung finden.
Wir kehren hiernach zu der Beschreibung der gewöhnlichen Ar-beit zurück.
Der aus den Filtern kommende „Dünnsaft“ wird alsbald vor sei-ner zweiten Filtration zu Dicksaft verkocht.
Die früher hierbei gebräuchlichen offenen mit freiem Feuer geheiz-ten Pfannen sind fast gänzlich ausser Gebrauch gekommen'und findenSl ch nur noch in einigen wenigen kleinen Fabriken. Etwas häufigerbedient man sich noch der offenen Dampfpfannen, in welchen der di-r ect vom Kessel kommende Dampf in einer auf verschiedene Weisec °nstruirten Rohrleitung den darüber befindlichen Saft erhitzt. DieSaftdämpfe entweichen durch eigene Mäntel und Schlote, und der Er-bitzungsdampf wird durch sogenannte Wasserfänge, Dampffänge oderDampftöpfe (Automaten) möglichst vollständig ausgenutzt.
In den meisten Fabriken bedient man sich aber gegenwärtiggeschlossener Verdampfapparate, welche die Eigenthümlichkeit ha-ben, dass sie mit sehr vermehrter Heizfläche und vermindertem Luft-brücke arbeiten und daher die Benutzung des schon zum Betriebe derDampfmaschinen gebrauchten sogenannten Retourdampfes ermöglichen.■A-Usserdem sind zwei oder drei dieser Verdampfapparate in solcher^Veise mit einander verbunden, dass die im ersten und zweiten entwi-c belten Saft dä m pfe im zweiten und dritten Apparate den Saft zumKo-phen erhitzen; die Luft Verdünnung ist bei den mit Saftdampf kochendenTh eilen stärker als in den mit Maschinendampf arbeitenden, und somit istes möglich mit den Saftdämpfen den concentrirteren Saft zum Kochenz ü bringen. Die Apparate haben die Gestalt stehender CylinderUr >d die Heizfläche wird zumeist durch Aufstellung zahlreicher verti-erter Siederöhren nach Art der Locomotivkessel hergestellt. Der ersteDylinder nimmt den Dünnsaft vom Filter auf und wird durch Maschinen-bampf erhitzt, der concentrirtere Saft tritt dann mittelst eigenen Dra-ges allmälig in die oder den folgenden Cylinder über in dem Maasse,a D aus dem letzten (dem zweiten oder dritten) der Dicksaft von dergewünschten Schwere abgelassen wird.
Die ersten derartigen Apparate wurden von Rillieux in Nord-amerika construirt und dann später von Tischbein in den Magde-ürger Fabriken eingeführt 2 ). Sie hatten die Form liegender Cylinder,|md die Heizrohren, durch welche der Dampf eintrat, lagen horizon-
der Saft umgab die Röhren von aussen. Verschiedene Nachtheile^ ei '3elben veranlassten Robert, die Cylinder und ihre Röhren auf-e °ht zu stellen und zwar letzere so zwischen zwei durchlöcherten Bö-en .anzubringen, dass der Saft die Röhren und" den Raum darunter,°^ie einen Theil des darüber befindlichen Raumes einnimmt, während
B(j, ^übenzuckerindustrie 1863 ’ ®' 233 > Dingl. polyt. Journ.
2 ) Dingl. polyt. Journ. Bd. CXXVI, S. 22; Bd. CXXXVII, S. 405,