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Die antiken Gold- und Silber-Monumente des K.K. Münz- und Antiken-Cabinettes in Wien / beschrieben von Joseph Arneth
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Je mehr die römischen Kaiser nach der Theilung des Reiches sich der dacischen andIhracischen *) Länder bemächtigten und selbe behaupteten, desto grösserer Überfluss in Goldauf ihren Münzen, was auch hie und da schon in den früheren Zeiten der römischen Ge-schichte der Fall war, wie diess die oben verzeichneten Münzen beweisen. Aus dem orien-talischen Kaiserreiche sind wenige Herrscher, deren goldene Münzen im numerischen Ver-hältnisse zu denen der übrigen Metalle nicht überwiegend wären. Das k. k. Cabinettbewahrt von Arcadius 32 Gold-, 15 Silber-, 114 Kupfermünzen, von Tlieodosius 32 Gold-,2 Silber-, 9 Kupfermünzen; von Leo I. 22 Gohl-, 15 Kupfermünzen, von Zeno 3$ Gold-,5 Silber-, 7 Kupfermünzen; indess von den früheren Kaisern die Zahl der silbernen undkupfernen über die goldenen bei weitem höher war: z. B. bei Augustus 105 Gold-, 404Silber-, 265 Kupfermünzen; bei Trajanus 115 Gold-, 285 Silber-, 443 Kupfermünzen; beiHadrian 114 Gold-, 468 Silber-, 745 Kupfermünzen u. s. f. 2 )

Nach dem Sturze des west- und oströmischen Reiches erscheinen sehr wenig Gold-münzen. Die Gothenkönige in Italien haben keine (obschon Alarich 1163 Jahre nach Rom§Gründung, 410 n. Chr. Geb. die Hauptstadt der Welt geplündert und unermessliche Metall-reichthümer weggeschleppt hatte), wohl aber die Langobarden und die Gothenkönige inSpanien. Carl der Grosse hat keine oder höchst seltene Goldmünzen; nicht so selten seinSohn Ludwig der Fromme; dann haben weder die übrigen Carolinger, noch die sächsischenund hohenstaufischen Kaiser, die schönen Augustalen Friedrich des Zweiten ausgenom-men, Goldmünzen, bis dann Venedig und Florenz 3 ) ihre Goldmünzen prägten, welche diezahlreichsten blieben, bis durch die Entdeckung von America ein neuer Goldstrom nachEuropa floss.

Nach dem Sturze des weströmischen Reiches fielen die Schätze desselben in dieHände der Rarharen. Attila, obwohl selbst in Allem einfach, liess doch seine Gäste ausgoldenen und silbernen Gefässen 4 ) bewirthen. Auch ist die Erzählung merkwürdig, dassConstantius, von Aetius zu Attila gesandt, als dieser Syrmium belagerte, von dem Bischöfevon Sirmium Goldgefässe empfing, um diesen, wenn er in Gefangenschaft geriethe, auszu-lösen. Die Beschreibung von ähnlichen Goldschätzen kömmt bei der Vermälung Adolfs,Königs der Visigothen, mit Placidia, Tochter Tlieodosius des Grossen, vor. Als die Fran-ken den Palast der Gothenkönige zu Narbonne plünderten, fanden sie ungeheure Schätze,von denen die kirchlichen der Sohn des Clovis an die verschiedenen Kirchen seiner Staa-ten vertheilte 5 )*

Häufig empfingen die Barbaren von römischen Kaisern Geschenke, wie diess beson-ders bei Bajan, dem Anführer der Avaren, der Fall war, der Justinian II., Tiberius Absi-rnarus und Mauritius, Beherrscher von Constantinopel, demülhigte; dessen Übermuth Me-nander 6 ) schildert, indem er erzählt, wie der Chagan von den römischen Gesandten sowohl

') In Thracien liess schon Philipp II. von Makedonien zwischen den von ihm gegründeten Städten Philippi und Philippopolis auf Gold bauen,und er war so glücklich, so viel zu erhalten, dass von dem Fürsten, der beim Anfänge seiner Regierung eine goldene Schale untersein Kopfkissen zu verbergen pflegte, noch heute Goldmünzen nicht selten sind.

2 ) Arneth Synopsis numorum romanorum, qui in Museo Caes. Vindob. adservantur. Vindob. 1843.s ) Arneth. Katalog der k. k. Medaillen-Stämpel-Sammlung. Wien 1839. S. 8. 9.

') Priscus. Excerpt. de Legationib. S. S. Historiae Byzant. I. pag. 39. 45. Edit. Venet.

5 ) Gibbon. V. C. XXXI. 384. Bouquet. Script. Rer. Gail. II. Greg. Tur. L. III. c. 10 p. 191.

6 ) Gibbon VIII. C. XLVI. 346. Menander. Excerpt. Legat. 79. 88. Edit. Venet. Theophylact. L. 1. c. 3. L. VII. c. 15. Gibbon. VII. C. XL.11. S. 370 u. s. f.

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