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Elephanten als goldene Betten gefordert hatte, und als der Kaiser solche gesendet, nichtmit denselben zufrieden, sie wieder zurückgeschickt habe. Als er Sirmium forderte, empfinger die römischen Gesandten auf goldener Kanzel, über die ein mit Gold und Edelsteinengewirkter Teppich gebreitet war.
Noch auffallender ist das Gepränge, mit dem Disabul den ihm Antwort bringendenGesandten des Kaisers Justinian, Zemarchus, empfing. Der Chagan hielt in einem Thaledes Goldberges Ektag *) (Altai) Hof. Beim Male sass der Chagan auf einem ganz goldenenBette; im Zelte waren Urnen, Wassergefässe und Fässer von Gold, und ein Lager, wel-ches vier goldene Pfauen trugen.
Vom dritten bis zum sechzehnten Jahrhundert war in numismatischer Beziehung,Byzanz abgerechnet, die gold-und silberärmste Zeit der Weltgeschichte; desto mehr wurdees zum Schmuck aller Art verwendet; wie diess die Funde in Norwegen, Schweden, Däne-mark, Irland, England u. a. m. beweisen, und insbesondere ein auffallendes Beispiel beiKaiser Heinrich II. zeigt, von dem keine goldene Münze bekannt ist; der aber für dieAltäre der Dome zu Basel, Bamberg und Merseburg * 2 ) Antipendien aus Gold und Edel-steinen machen liess, von denen jenes zu Basel auf siebentausend Gulden inneren Werthesgeschätzt wurde.— Die Einnahme Constantinopels 3 ) durch die Kreuzfahrer brachte von die-ser zweiten Metropole des ehemaligen römischen Weltreiches ähnliche Schätze in Edel-steinen und Gold nach Europa, wie Roms Eroberung durch die Barbaren solche unter diesewilden Völker verbreitet; von den aus Constantinopel mitgebrachten Schätzen ward über-haupt viel zum Schmucke der Kirchen und Altäre verwendet. In Europa wurde damalswenig Bergbau getrieben, der Verkehr mit Asien nahm eben so viel wo nicht mehr Goldweg, als er einführte, und erst in der neueren Zeit wurde America das, was Asien in deralten gewesen.
Es birgt jedoch noch heut zu Tage die Erde viele Schätze, welche ihr die alte Zeitanvertraut hatte
Funde.
Eine kurze Übersicht der merkwürdigsten auf Münzen und edle Metallgegenständesich beziehenden Funde dürfte nicht ohne Werth seyn.
Zu den merkwürdigsten Funden gehört jener des Vaters des Herodes Atticus, wel-cher zu Athen einen unermesslichen Schatz fand. Er schrieb an den Kaiser Nerva, was erdamit thun solle? Nerva antwortete: Benütze, was du gefunden. Atticus schrieb wieder,dass der Schatz ausserordentlich wäre, worauf Nerva antwortete: «Benütze ihn auf ausser-ordentliche Weise, denn was Du gefunden hast, ist Dein 4 ).”
') Den Reichthuin an Gold im Altai-Gebirge bestätigen die heutigen Nachrichten vom vielen Golde daselbst auffallend. S. Wiener Zeitung
1845. 208. S. 1618.
2 ) Arneth. Das Niello-Antipendium zu Kloster Neuburg. Wien 1844. S. 62, 64, 71.
3 ) Caylus. Recueil d’Antiquites. V. 140, 141. Bibliotheca vetus Floriacensis. P. 11. p. 234.
4 ) Philostratus. De vitis Sophistarum. L. II. c. 2.