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Die im Segmente liegende, die Erde vorstellende Gestalt erinnert viel an die Statue,welche Visconti für das Bild der Julia hielt 1 ).
Wie oben die Stellen zusammengereiht wurden, welche mich und K. O. Müller an-fänglich bewogen, den opfernden Römer Germanicus zu nennen, so sei es gestattet, auchdie Ursachen noch näher zu begründen, welche ausser den schon erwähnten Veranlassungenmich noch auf den Namen Agrippa statt Germanicus geführt haben.
Vor Allem bezeichnet meines Erachtens auf dem Silber-Monumente die Hauptpersonjene «torvitas”, von der Plinius 2 ) spricht, und die sich auf seiner berühmten Statue 3 ), aufgeschnittenen Steinen 4 ) und auf Münzen 5 ) ausgedrückt findet.
Agrippa war Aedil im J. R. 721=33 vor Chr. Geh.; aus den vier plebeischen Aedi-len machte J. Caesar 6 ) zwei cerealische, die der Ceres Gaben besorgten — denn dieAnnona wird als Ceres abgebildet, oder sie steht als Abundantia neben der sitzendenCeres 7 ); — so ist es nicht unwahrscheinlich, dass schon in dieser Beziehung Agrippa alsCereal-Aedil auf dem Monumente erscheint, welches Amt er als Plebejer um so sichererverwaltete, obschon es keine Stelle ausdrücklich sagt; denn die Functionen desselben ent-sprechen dem Charakter des Agrippa im hohen Grade: Tempelbau und Tempelschutz, stän-dige Satzung, gesicherte Nahrung, Erhaltung und Beschützung der bürgerlichen Gemeinde,und Rache (Strafe) jeder Verletzung ihrer Vorsteher und Vertreter, aber auch Unterwür-figkeit der Gemeindeglieder unter ihre Verordnung, Aufsicht über die Landeigentliümer imNamen der Ceres 8 ).
Ceres-Dienst 9 ) ist nothwendig mit der Erde verbunden, dessen Basis diese ist. Inder Periode, in welche bestimmt das fragliche Monument gehört, hat kaum Jemand umdie Ausbreitung der römischen Herrschaft über die Erde sich so viele Verdienste er-worben, als Agrippa, welcher in einer Säulenhalle den Römern das Bild der Erde in dervon ihnen eroberten Welt zeigen wollte 10 ), indem er in allen bekannten Ländern Vermes-sungen derselben bewerkstelligen liess, die Plinius so häufig benützte, sei es, dass Agrippawirklich ein Werk darüber herausgab, oder dass Plinius die zum Staatsgebrauche niederge-legten archivalischen Arbeiten des Agrippa benützte.
Da Agrippa häufig dem Caesar nacheiferte (n ur hi Einem nicht: Caesar wollte Nie-mand über sich, Agrippa jedoch stets den Augustus), so ist’s sehr wahrscheinlich, dass erwie jener in gleichem Geiste geschrieben, wie er gefochten.
Agrippa hat vermuthlich ausser seinen Werken über das römische Reich auch eineSelbstbiographie, ein Werk über Wasserleitungen, und mehrere andere verfasst, von denenjedoch ausser manchen von Frandsen u ) mit Fleiss, Geschmack und deutscher Bescheiden-
') Mongez. Iconograph. Rom. pl. 20. n. 3. t. II. p. 72.
’) H. N. XXXV. 4. 9.
3 ) Visconti. Iconogr. Rom. pl. 8.
4 ) Arneth. Cameen. XV. 1. 26.
5 ) Arneth. Synopsis numor. rom. 44.
ti ) Dio Cass. XL. III. 51.
7 ) Arneth. Synopsis numor. rom. 238.
8 ) Creuzer. Röm. Antiquitäten 147.
°) Preller: Demeter und Persephone. Ilamb. 1837. Heffter in Zimmermann’s Zeitschrift für Allerlluims-Wissenschaft 1838. Nr. 70. 71.,0 ) Plinius. H. N. III. 2.
“) M. V. Agrippa. Altona 1836.