Vorrede.
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dessen blut in diesen fluß einflösse, und solchem die rothe färbeverursachte. Jetzt wolle der Leser von dem mit so grosser scharf-finnigkeit angemerckten fehler urtheilen. Die Worte des Baylevon dem letzten umstände sind diese: L oü ton Lng ccmloic äsnscecre riviere. In der vorigen Leipziger ausgäbe hatte mandiese worte ausgedrücket: da sich noch jährlich sein blut mitdiesem fluß vermische. Unser Herr Gegner will, hier seyder verstand des Französischen vormals m Leipzig übel getrof-fen worden, und haben die Baieler den ort zur nngebührohngeändert gelassen. Nun wohl. Wie will denn er uns dietrafst derselben ausdrücken? Die Worte, spricht er, müssenso übersetzet werden: da sein blut in diesen fluß gelauffen.SpeNstuni sämilk rilum-tsliesci»' umici: Mein! kömmt esdenn nicht völlig auf einen verstand an, wo man von dem ingrosser menge fließenden blut sagt: es vermische sich miteinem fluß ; oder wo man sich dieser andern Worte bedient:es lauste in den fluß. Zu Basel hat man zwar, wie schonüberhaupt genug angedeutet worden, an diesem orte, sowol alsan tausend andern , von welchen keine Ursache zu zweifeln sichereignete,' den Bayle im geringsten nicht begehrt aufzuschlagen,oder mit dem Teutschen zusammen zu halten. Doch, wo esje hätte geschehen sollen, würde man sich wohl gehütet haben,darinnen etwas zu verändern. Dergleichen redens-art wäre le-diglich für reineres und netteres Teutsch angesehen worden, unddaß man zu Leipzig gut gefunden, an statt der gar zu gemeinenausdrückung: das blut lauffet in den fluß, zu setzen: es ver-mische sich damit; um so mehr, als ja die letztere manier zureden wol in hundert orten des ftexici anzutreffen ist. Hatsich aber der Herr Gegner an dem Worte jährlich geflossen:da sich sein blut noch jährlich mit dem fluß vermischet;so verstehet er in Wahrheit den Bayle selbst nicht , welchender vorige Leipziger Übersetzer, wenigst an diesem orte, nochgar recht gefaßt hatte. Denn Bayle redet einmal da unstreitigvon einer fache, die alljährlich in einer gewissen zeit geschehensollte, und also die abergläubische meynung des Phönicischenvolcks, als ob Adonis zu solcher zeit annoch jedes mal neuerdin-gen auf dem berge Libano verwundet wurde, beständig unter-hielte. Sind denn diese Worte des manns so schwer zu verste-hen ? 1.3 riviere äevenoit rouge /srr - - - On nsmanguoie pas a/orr äe äire, gue e'etoit le tem8 äs pleurer Läo-nis ; gue c'ewit /e oä il reeevoit äes blellures sur le Liban,6c oü son hing couloir äans eette riviere. Mit diesen Worten stim-met auch der Griechische text des Luciani vollkommlich übercin:
ö ctjk 7rsv«^tsr tvio;-ei'/^-rirs'sv-t« - - - z«vÜeorvsi/ -dr, ov,
v«l,vüsv v«<r, ö sr« vor 6i/?aror v/ligLS'xev-t«,
vo i? vo vor vrov-i^or.
Also siehet nun unser gelehrter Herr Gegner auf alle weise, daßer nicht nur verfehle, wenn er in der Baselischen arbeit fehlerzeigen will , sondern daß auch, wo er gleich als zum Überfluß,sich in die critisirung seiner eigenen, das ist, der alten Leipzi-ger artickul einzulassen unterstehet, die gefahr für ihn gleich-falls sehr groß sey, sich gar übel zu verflossen.
Doch ist, was das artigste hicbey, annoch zu vermeldenübrig. Es bestehet darinnen , daß eben der schon genug ange-deutete artickul Adonis würcklich an einem, andern orte einefehlhaffte Übersetzung des Bayle in sich enthalte, die aber derHerr Gegner das glück nicht gehabt zu entdecken, sondern anderen statt einen guten und richtigen vrt angegriffen. Die schonangezogene worte sowol des Bayle, als Luciani, melden ein-mal deutlich : die Phönicier hätten bey der alljährlichen rothfär-bung des flusses gemeynet: Adonis lebte noch würcklich aufdem berge Libano, empfienge aber um dieselbige jahres - zeitneuerdings die bekannte wunden, und wäre eben sein mit demwasser des flusses vermischtes blut, so desselben färbe veränder-te. Da hat man zu Leipzig in den Worten, gue e'etoit le rsms,c>ü il reeevoit äes blessures, das Französische imperkeäkum,für welches im Griechischen gar ein xrs-lsirs stehet, fchr un-recht von der längstvergangenen zeit ausgelegt, auch durch ei-nen nicht mindern fehler die Worte, wunden empfangen,also genommen, als ob sie da so viel als todten hiessen, welchesdoch von dem sinn des Bayle und Luciani selbst, wo man einmaldiese übersetzen will, offenbarlich abgehet. - .
Vielleicht wird sich hier der Herr Gegner noch zuletzt damitgetrosten wollen : es zeige sich denn wenigst in diesem letzter»ein fehler in dem alten Leipziger artickul, welchen gleichwol dieBaseler nicht im ersten mal gefunden, und ausgebessert; ob-schon solche denselben für jetzo anzeigen. Allein durch eine beson-dere fatalität muß es ihm auch darinnen fehl schlagen. Die Ur-sache ist diese: weil, was in dem Leipziger artickul stehet, den-noch an sich sechsten wahr ist, daß nemlich die Phönicier in dereinbildung gestanden, Adonis wäre um dieselbige jahrs - zeitvormals zu erst verwundet, ja auch gar gelobtet worden; ob-schon sie noch dabey in dem albern aberglauben steckten, er lebtekoch wieder, und würde noch alljährlich von frischem verwun-det. Wie nun das Historische Lexicon nicht nöthig hatte, auchdiese letztere thörichte meynung des Phönicischen volcks anzu-bringen ; also hat man sich in Bafel wenig darum bekümmert,und achtet auch noch jetzo für genug , daß das erstere von derzeit des vormaligen todes des Adonis, so in dem Leipziger artickulstunde, der alten erzehlung und fabel gemäß ist, als welchesauch niemand wird in zweifel ziehen. Allein was sich alsogantz recht verhält, wo man nur die vornehmsten umstände
einer solchen geschlchte anziehet oder angezogen wissen will,und was also zu Basel mit bestem fug ist gelassen worden;das wird erst, gleichsam ex polt LÄo, oder nach schon gesche-hener that, zu einem nicht geringen und fast schimpflichen feh-ler , wann man, wie allhier so klüglich von unserm Herrn Geg-ner beschuhet, die deutliche erklärung vor der gelehrten weitthut: was da in dem alten Leipziger artickul stehet, das sollschlechterdings eine Übersetzung aus Bayle seyn und heissen.So wohl kan unser gelehrte mann seiner Leipziger ausgäbe dasWort sprechen.
4 .) In den zwey folgenden artickuln ist der Herr Gegner in soweit glücklicher, daß er wider die vorige Leipziger ausgäbe rechtbehält, und selbiger an jedem orte recht aus dem gründe, dasist, mit anführung der eigenen Worte des Bayle, einen fehler er-weiset. Die Baseler haben dabey nichts anders zu thun, als daßsie dem gefecht stille zusehen, und von den streichen urtheilen.
Der eine solcher fehler ist in Aerodius begangen worden,und bestehet in folgendem. Bayle hatte gesagt, als sich Pe-trus Aerodius wegen seines von den kk. 8oe. ^elu verborgengehaltenen sohnes zu dem Papste gewendet , mit bitte: ermöchte jenen auferlegen, ihm seinen söhn wieder zuzustellen;da hätte der Papst sich sechsten die rolle aller Jesuiten in derweit geben lassen , aber ohne daß sich der nähme des RenatiAerodii, oder Rene Ayrault darinnen gefunden ; weil nemlichVerjünge mensch unter den Herren kk. alfogleich anders qe-nennet worden. Die letzte Leipziger ausgäbe hingegen, wo dain dem 8upplemenw diese begedenheit erzehlet wird , bringetdie sache also vor, als ob der Papst die rolle aller Jesuiten anden Aerodium geschickt hatte, damit er seinen söhn darunterselbst »lochte suchen. Nun ist ohne zweifel einiges versehen hier-um begangen worden; wiewol doch, nach der Baselischen ur-theil der Herr Gegner denfelbigen dem andern Leipziger Verfas-ser nicht so aufmutzen sollte, als ob solcher dadurch den PetrumAerodium gleich zum Papste hätte machen wollen.
;.) Wie viel kleiner aber ist erst der folgende verstoß ? Manmuß in erwegung desselbigen schier auf die gedancken gerathen,einer aus zwey gelehrten arbeitern an der vorigen Leipziger aus-gäbe wolle da unter dem scheine den Baselern alte Leipziger feh-ler zu weisen, welche sie nicht haben entdecken können, nur eineheimliche eifersucht gegen einem seiner mitgefellen ausüben, underneuere gleichsam zu selbigem ende die vor zeiten so befchreytegefechte der Herren 6rsmm,itiec>rum, die sich mit grösser Hef-tigkeit erzanckten, welchen fuß Aeneas bey feinem ^aussteigenin Italien zu erst aus land gefetzet, ob Venus in dem gefechtebey Troja in die lincke, oder in die rechte Hand verwundetworden, und was dergleichen wichtige fragen mehr gewesen,um welche sich diese unvergleichliche männer mit gröstem ernsterzanckct haben, gerade als wenn alles heyl des Parnassesdaran hienge. Einmal kan man zu Bafel keinen grossen unter-scheid finden zwischen der Ursache des vorangedeuten gezänckes,und dem gelehrten streit , welchen jetzt unser Herr Gegnerwider den andern Leipziger Verfasser des Lupxlemenri zumartickul Ajax Telamonius anfängt. Der verständige Leserwolle doch selbst davon urtheilen. In den getichten einiger al-ten Poeten von diesem Ajax kommt unter andern, vor: Hercu-les hätte ihn, da er noch ein junges kind war, in die stets umsich tragende haut des Nemeeischen löwen gewickelt, und da-durch am gantzen leibe gegen alle wunden gehärtet; ausser nuran einem einigen orte, wo die löwenchaut ein loch gehabt. Bishieher ist man beyderseits einig. Aber nach diesem entstehet diefrage zwischen unfern zwey Gelehrten: wodurch aber Her-cules dieses loch in seine löwen - haut gemachet habe?Der ssmkor des 8upp1ememi hatte gefetzet: mit dem pfeile.Unser Herr Gegner aber beweiset demselbigen aus Bayle:das loch wäre mit dem köcher gemachet worden,oder Hercules hätte seinen köcher gepflegt dahineinzustecken. « .
Die Baselische hoffen dem geneigten Leser genugsam bekanntzu seyn , um nimmermehr von ihnen zu erwarten, daß sie sichüber dergleichen lachens-würdigen Zwiespalt in wahrem ernst zueinem critischen gefechte verstehen sollten. Jedennoch weil dergelehrte Herr Gegner solche immer zur partey machen will,und ihnen mit Heftigkeit vorrücket, sie hatten den wichtigen feh-ler gleichwol in acht nehmen und verbessern sollen ; so nehmendiese Hiebey anlas noch zu einiger Vergnügung des Lesers ein«gantz neue classe fehler oder verstoße der vorigen Leipziger aus-gaben anzuführen, welche zwar von gleicher art sind, alsderjenige, durch welchen pfeil an statt köcher ist gefetzet wor-den , allein, im übrigen den Leser noch weit mehr , als dieser,verwirren können auch würcklich in viel wichtigern umständensind begangen worden. Man verstehet also hier dergleichenversehen, durch welche aus zweyen mit einander genau ver-bundenen oder vergesellschaffteten dingen , oder die simst etwa»gewisse verwandtschafft und gleicbheit zusammen haben , einesschlechterdings für daS andere gefetzet wird. Der sinn ist hre«bey gar nicht, den gelehrten Verfassern der alten Leipzigerartickul, aus welchen diese muster sollen genommen werden,deswegen grosse schuld bcyzumcssen. Es ist bekannt, wie der-gleichen auch den geschicktesten oft beaegnen könne, sonderlichwenn wegen Vielheit der geschäffte die gedancken allzusehr zer»streuet werden; wiewol. dennoch unter den folgenden exemvelnsich verschiedene finden dürften, bey denen etwas mehr als nurein schlechtes versehen unterlauffen ist. Aus obiger Ursache hat