Band 
Vierdter Theil. He - Mc.
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sich in seinem Ertz-Bißthirm gantz souverain zu machen, undalle Grafschafften darin« an sich zu bringen; dahero er denKönig zu vielen verschenckungen der domainen beredete , blosum diejenige, so ihn in seinen absichten hindern konnten, zu be-friedigen ; wodurch aber dem Reich unsäglicher schaden gescha-he. Dieses verfahren des Adelberts bewog die Reichs-Stän-de, daß sie auf einem zu Tribur gehaltenen Convent Adelber-tum vor einen feind des vatterlandes erklärten, auch Henricozuredeten, daß er denselben von sich ließ, wiewol dieser schonselbst seiner Vormünder müde war, und kurtz vorher, da erim 15. jähre seines alters wehrhafft gemacht worden, denErtz-Bischoff Annonem zu Cöln erstechen wollen. Sonst istunter Henrici vormundschafft auch merckwürdig der streitzwischen dem Abt von Fulda und dem Bischoff von Hildes-heim , wegen der präcedentz, dadurch in der kirche zu Goslaram Pfingst-tage in gegenwart des Kaysers ein grosses blut-ver-giessen erregt worden, (siehe auch Fulda.) An. ic>66. gleichnach der absetzung des Adelberti heurathete Henricus einesItaliänischen Marggrafen tochter Bertham, ward ihr aber garbald überdrüßig, und suchte wieder von ihr geschieden zu seyn.Damit er nun solches desto eher erhielte, trat er dem Ertz-Bischoff zu Mayntz den zehnden in gantz Thüringen ab , wel-cher hierauf kein bedencken trug, die ehescheidung für recht zuerkennen. Doch es hinderte solche nicht allein der Papst, son-dern es wurden auch die Sachsen wegen des an Mayntz über-lassenen zehenden unwillig. Und weil diese ohne dem schon seitHenrico III. der Königlichen familie nicht favorisirten, Henri-cus IV. aber solche mit gemalt bezwingen wollte, und zu demende nicht allein beständig in Sachsen, und insonderheit zuGos-lar Hof hielte, sondern auch hin und wieder vestungen anlegte,und solche mit gebohrnen Francken besetzte, so ward die gan-tze nation schwürig. Hierzu kam, daß, als Bernhard der Her-tzog zu Sachsen an der Nieder-Elbe inzwischen starb,seine beydesöhne Ordulphus und Hermannus dessen lande aus eigenerauthorität theilten, welches aber der Kayser nicht leiden woll-te, und des inzwischen verstorbenen Hertzogs Ordulphi söhn,Magnum, ins gefängnis setzte, um ihn zu zwingen, nicht al-lein das Hertzogthum, sondern auch seine allollia in dem Lü-neburgischen abzutreten. Desgleichen wollte der Kayser auchOttoni von Göttingen, Hertzoge zu Sachsen, (weil solchernoch aus Henrici Lucupis stamm , und ihm daher sehr gefähr-lich war, auch alle mißvergnügte sich an ihn hiengen) dasHertzogthum Bayern, so demselben die verwittibte KayserinAgnes gegeben hatte, nicht lassen, und damit er einen vor-wand haben möchte, ihm solches zu nehmen, bestach er ei-nen, nahmens Egino, welcher denselben anklagte, als hätteer den Kayser wollen hinrichten lassen, auch sich erbot, dessenGewißheit durch ein dueü zu beweisen. Der Kayser bestimmtehierauf an. 1070. den i. auq. daß Hertzog Otto zu Goslar er-scheinen, und daselbst sein recht durch einen kämpf mit seinemgegentheil ausmachen sollte. Allein weil dieser es seinem ständeverkleinert) zu seyn achtete, sich mit einem geringern ein-zulassen , und also nicht erschien, wurde er deshalben, alsein der felonie überwiesener, in die acht erkläret, und da-hero genöthiget, sich in Sachsen zu retiriren, um daselbstschütz zu haben. Henricus aber gab das Hertzogthum Bay-ern Welffoni, einem vornehmen Herrn aus dem alten Wel-sischen Hause, daraus Ludovici kü gemahlin schon herkam.Alle diese Ursachen brachten endlich die Sächsische Fürstenund Prälaten zu einem allgemeinen Mißvergnügen, daß siesich sämtlich wider den Kayser zusammen schlugen, und vonihm öffentlich durch eine Gesandtschafft begehrten, daß er diein Sachsen erbaute vestungen demoliren, dasjenige, was erden Sächsischen Standen genommen , wieder hergeben, ihrefrevheit ungekränckt erhalten, nicht beständig in ihren pro-vintzen resibiren, die fremden diener und concubinen weg-schaffen, sich an einer gemahlin begnügen lassen, den zehen-den , welchen er dem Ertz-Bischoff von Mayntz zugesprochen,abstellen, und ein bessers leben führen sollte; oder widri-gen falls wollten sie ihn bekriegen. Weil aber der Kaysersich zu nichts erklärte, hielten die Sachsen und Thüringeran. 107z. einen eigenen Land-tag zu Nokmesloven, beschlossendarauf den krieg wider Henricum, und überfielen ihn in demschlösse zu Hartzburg ohnfern Goslar unversehens, daß er ge-nöthiget wurde, sie durch freundliche und angenehme Ver-sprechungen zu besänftigen, .bis er und seine Hof-leuthe einmittet fanden , heimlich davon zu kommen, worauf dieSachsen das schloß belagerten. Henricus, welcher sich nachHirschfeld retiriret, sammelte hierauf eine armee , konnteaber wenig volck zusammen bringen, weil die Schwaben,Bayern, Lothringer und andere, ebenfalls nicht traueten ,sondern befürchten, Henricus mochte nach bezwinaung derSachsen auch mit ihnen so verfahren. Zu allen diesen un,ruhen kam auch der Papst Alexander II. und citirte Henri-cum , weil er die Bißthümmer nur nach geld und andern un-gleichen absichten meist an schlechte, untüchtige leuthe ver-geben , als einen der flmonie schuldigen, nach Rom, um davonrechenfchafft zu geben. Nun starb dieser Papst zu allem glückfür Henricum kurtz darauf, und nachdem der Kayser an.107;. auf einem Reichs-tage zu Oppenheim seine fehler, die erin seinen jungen iahren begangen, excusiret, und versprochen,sich hinführo besser aufzuführen, auch inzwischen eine armeezusammen gebracht, und sich auf den Sächsischen grentzen ge-

lagert, so kam es endlich um die fast-nacht an. 1074. zumfrieden, und zwar unter folgenden bedingungen: daß derKayser die mauren von denen auf dem Hartz erbauten schlos-sern Hartzburg, Wigantenstein, Saffenstem, Asenberg undHeimburg niederreißen, das Reich durch einheimische Ratheregieren, nicht allezeit in Sachsen residiern, und endlich auchkeine gelegenheit sich zu rächen suchen sollte. Allein weil derKayser an Hartzburg nur die mauren umwerffen ließ , undsonst vielleicht mit der execution des friedens verzögerte, bra-chen die Sachsen denselben, steckten den Kayserlichen pallast zuHartzburg an, plünderten die kirche, gruben den daselbst be-grabenen Kayserlichen Printzen aus, und hauseten gar übel.Dieses nöthigte den Kayser, daß er an. 107;. einen grossenReichs-tag nach Bamberg ausschrieb, auf welchem er vorstell-te, wie dis'Sachsen mit ihm umgiengen, auch eine grosse ar-mee von Schwaben,Bayern, undLothringern zusammen brach*te, wormit er wider die Sachsen anzog, und sie den i;.jun.an.ic-75. an der Unstrut bey Neustadt gäntzlich schlug. DieSächsischen Stände musten hierauf insgesamt aufdem Reichs-tage zu Worms vor dem Kayser fußfällig um gnade bitten,welcher die vornehmsten Häupter gefangen setzte, die geschleiftevestungen wieder aufbauere, und seinen söhn Conradum an.1076. zum König wehlen ließ. Doch dieses glück währtenicht lange. Die wachsen nahmen ihre zuflucht zu dem PapstGregorio VII. sonst Hildebrand genannt, welcher auf einemzu Rom an. 107;. gehaltenen LonLilio die Verordnung seinesvorfahren wider die simonic erneuerte, und befahl, daß alleverehlichte und durch weltliche Fürsten investirtc Bischösse ab-gesetzt werden sollten, auch diesem befehl zu folge unterschiedli-che Teutsche Büchoffe verstieß, und seine Legaten zu dem Kay-ser nach Goslar schickte, mit befehl, die gefangenen Sächsi-schen Bischösse wieder los zu lassen, diejenigen aber, so auf be-meldtem Loneilio verdammt worden, abzusetzen, und dannvor seine person auf den fasten-sonntag nach Rom zu kommen,um daselbst von alle dem, wessen er von den Sachsen be-schuldiget worden, rede und antwort zu geben, bey strafe desbannes und verlierung seiner Crone. Henricus ließ sich zwaranfangs hierdurch nicht schrecken, sondern berufte einen Reichs-tag nach Worms, worauf alle Teutsche Bischösse, ausgenom-men die Sächsischen, erschienen, da denn der Kayser mit ge-nehmhaltung der Bischösse, Gregvrium als einen der simonieselbst überwiesenen, und einen störer des kirchen-und politi-schen friedens, absetzte, und seine Gesandten nach Rom schickte,welche auch bey dem 8711060 , so in der ersten fasten-wochrgehalten wurde, dem Papst dieses dccret vorlasen. Allein derPapst erklärte sich hierauf iu einem aus no. italiänischen Bi-schöfen bestehenden Loncilio , daß er durch GOttes und St.Petrt gemalt Henricum von dem thron absetzte, ihn dem sa-tan übergäbe, und seine Unterthanen von ihrem gehorsam los-spräche. Es fand auch dieser Päpstliche bann bey vielen Reichs-Fürften, (welche theils im trüben zu fischen gedachten, theilsauch die gefangenschafft der vornehmsten Sächsischen kroc^rum vor eine weit-aussehende fache, die sie mit der zeit auchbetreffen könnte, ansahen) ingreß, welche dahero nebst denSachsen eine allgemeine Versammlung der Fürsten auf den16. oct. an. 1076. zu Tribur anstellten, aufwelcher beschloßsen ward, daß entweder der Papst nach Forchheim kommen,und Henrici thaten untersuchen, oder aber Henricus innerjahres - frist nach Italien gehen , und sich bey vertust derCrone mit dem Papst aussöhnen, mittlerweile aber als eineprivat - person zu Speyer leben sollte. Solchem nachHenricus genöthiget, sich vor allen dingen von des Papstsbann los. zu machen, und gieng dannenhero an. 1077. mit-ten im härtesten Winter, nebst seiner gemahlin, seinem Eund einigen bedienten nach Rom , traf aber den PapstApulien zu Canosa bey der Gräfin Mathildis an, und konn-te nicht eher audientz erlangen, bis er nebst seiner Lvmahlin und dem Printzen in dem vorhofe des Papstechen pallasts in buß-kleidern z. tage lang mit blossem Haupt),barfuß, und ohne alle speise und tranck aufgewartet, da erdenn endlich den vierten tag durch Vermittelung bemeldcerGräfin zugelassen, und (nachdem er alles, was ihm derPapst vorgeschrieben, eingegangen , und insonderheit «umauf die investitur der Bischösse eydlichen verzicht gethan,)dem bann absolvirt wurde, jedoch dergestalt, daß er demnoch sich vor den Teutschen Fürsten verantworten sollte. Domdurch dieses allzu harte tractamentvielen verhaßt, und Henricus selbst

der Jtaliäner Canosa

machte sich der Papstwar willens , mit huK

- . zu belagern. Der Papst aber retlrinr

sich bey zelten , und brachte es bey den Teutschen Standes

insonderheit aber bey den Sachsen dabin, daß sie noch st'eben diesem jähre den 15. mertz zu Forchheim im BambEsehen sich versammelten, das Teutsche Reich, so bisher ermlieh gewesen, ausdrücklich vor ein Wahl-Reich erklärten,Rudolphum, den Hertzog in Schwaben, zum Kavstrwehlten, und ihn gleich darauf zu Mayntz crönten, worausPich m kurtzem die Päpstliche bestätigunq, verlMtttwuberschlckung emer crone an Rudolphum, erfolgte, ( ERudolphus) und Henricus von neuem in den bann getya'wurde. Henricus aber kam nach Teutschland, und rwtM)Rudolphum, welcher gleich Würtzburg belagerte, nachbey Molrtchsenheim vorgegangenen zweifelhaften Wach)'sich nach Sachsen zu ziehen ; daselbst kam es bey