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Abhandlungen bei Begründung der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften, am Tage der zweihundertjährigen Geburtsfeier Leibnizens / hrsg. von der Fürstlich Jablonowskischen Gesellschaft
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VON C. G. Lehmann.

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oder unmittelbar dem operativen Eingriff, oder die gemachte Wunde verheilt,so gross sie auch sei, prima intentione. Dem Verf. ist cs z. B. mehr als ein-mal vorgekommen, dass selbst penetrirende Brustwunden und noch dazu beiausgewachsenen Thiercn in kurzer Zeit ohne alle nachtheiligen Folgen ver-heilt sind.

Nur selten gelingt cs, ein Thier in irgend einem Organe so zu verletzen,dass sich an dem Aeusseren des Thieres die Entzündung jenes Organes oderwohl gar verschiedene Stadien des Entzündungsprozesses wahrnehmen lassen.Will man nun in solchen Fällen einzelne Erscheinungen an dem verletztenThiere, z. B. die Respiration, genauer erforschen, so müssen eine Menge Ver-suche aufs Geradewohl angestellt werden. Darin mag wohl auch hauptsäch-lich der Grund liegen, warum man über das Verhalten der Kohlensäureexcrc-tion bei Entzündungen fast noch gar keine Versuche angestellt hat, und dennochdiesen Process von chemischer Seite im Wesentlichen als einen jähen Oxyda-lionsprocess, als eine wahre Verbrennung darstellt, während die folgendenVersuche beweisen, dass hierbei last gerade das Gegentheil von dem stattfindet, was man erwartete oder gar Tür ausgemacht hielt. Doch lassen wirdie Versuche selbst sprechen.

Am 14. März wurde einem kräftigen, männlichen Kaninchen, dessenKörpergewicht im nüchternen Zustande = 2037 gr. war, zwischen dei; 5tenund Oten Rippe die Pleurahöhle geöffnet und etwas rother Wein in dieselbegeträufelt. Unmittelbar nach dieser Verwundung sprang das Thier noch ziem-lich lebhaft herum, frass wie gewöhnlich; an der Bewegung der Nase konnteein erschwertes Alhmen des Thiers nicht wahrgenommen werden, wohl ahoi'war die Abdominalrespiration sichtlich stärker als vor der Verwundung.

Dieses Thier, welches vor der Verwundung bei + 1G°C. in 3 Morgen-stunden a) 3,725 gr. Kohlensäure, b ) = 3,905 gr., im Mittel also 3,825 gr.exspirirt hatte, wurde ungefähr 30 Min. nach der Verwundung in den Bespi-rationsapparat gebracht; von 9 h 38' bis 12 h 38' exspirirte es bei -f 17°C. =3,887 gr. Kohlensäure.

Am 15. März war das verwundete Thier noch ziemlich munter; nur beimanchen Bewegungen konnte man ein Durchpfeifen der Luft zwischen denRippen wahrnehmen, was aber nur selten geschah, da die Wunde meist sub-cutan geführt worden war; das Athmen war etwas beschwerlicher als gestern;seine frühere Gehässigkeit hatte etwas nachgelassen. Von 7 h 27' bis 10' 1 27'exspirirte es bei + 15°C. = 2,951 gr. Kohlensäure.

Am 16. März zeigte sich an der äussern Wunde eine bei Kaninchen un-gewöhnlich starke, übelriechende Eiterung; im Grunde hatte sich die Wundeaber mit Granulationen erfüllt, so dass weder durch das Eingehen mit einerSonde noch durch lebhafte Bewegung des Thiers eine Oeftnung der Pleura-höhle nach Aussen wahrgenommen werden konnte. Alhcmfrequenz sehr be-deutend. Das Thier frass wenig und blieb meist auf einer Stelle sitzen. Bei+ 16°C. exspirirte es von 8 115' bis I1 h 15 = 3,217 gr. Kohlensäure.

Am Nachmittage desselben Tages bildete sich oberhalb der Verwundungauf der rechten Seite der Brust über den Hals bis an die rechte Seile des Kopfs