Band 
Erster Theil.
Seite
277
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Geschichte der Optik. S77

lebte, weil ja Aegypten nach dem Tode der Cleo-patra eine römische Provinz ward, wie wäre eSMöglich, sage ich, daß Seneca von denselben Kennt-niß gehabt hatte, indem er bloß sagt, *) daß klei-ne Schriftzüge, durch eine mit Wasser ge-füllte gläserne Kugel betrachtet, vergrö-ßert erscheinen, ohne das geringste hinzuzufü-gen, was Bezug auf Vergrößerungsgläser hätte?Die Alten, durch ihre schlechte Physik über die Na-tur des Sehens irregeleitet, ahndeten nicht, daßMan durch einen ähnlichen Mechanismus, wie der-jenige, wodurch die Sonnenstrahlen zu einem Brenn-punkte versammelt werden, diese auch zu einem sanf-ten und geschwächten Lichte vereinigen und einenGrad von Klarheit hervorbringen könnte, welcherder Verrichtung der Augen zu Hülfe kommt, ohnesie anzugreifen. Hält man sich an sichere Beweise,und nicht an bloße Wahrscheinlichkeiten, welche manimmer durch eine erzwungene Auslegung einigerStellen der alten Schriftsteller finden kann: so wirdUran in der Ueberzeugung beharren, daß die Erfin-dung der Nasenbrillen erst aus dem Ende des drey-. Zehnten Jahrhunderts ist. Die Erfindung der gro-ßen Ferngläser, der astronomischen Fernrohre undTeleskope ist noch um ungefähr dreyhundert Jahrejunger. Die zu diesen Werkzeugen erforderlichenGläser müssen entweder aus sehr großen Kugeln be-sehen, deren Anwendung sehr unbequem und bey-nahe unmöglich seyn würde, oder aus sehr kleinen

*) tzuLesc. Uzt. Ub. l. CLP. 6.