Aggregatzustände. ' 7
zwischen den Körperklasscn, schärfer als sie sich sonst in der anor-ganischen Natur vorfindet. Kein Körper bildet einen Uebergangzwischen Flüssigen und Gasen. Jene Präparate von Cagniardde la Tour, die man als Zwischcnkörper ansah, sind nach allenihren Eigenschaften vollkommene Dämpft!- und haben nichts mit denFlüssigen gemein.
Zwischen starren und flüssigen Körpern ist die Ähnlichkeit größernnd die Verwechselung leichter. Wenn sogar der Staub sich solange in der Lust erhält, und im Schaume das Gas von dembeigemengten, so viel schwerern, flüssigen Körper sich nicht lösen kann;so ist eS zuweilen unmöglich, feste und flüssige Körper von einanderzu trennen, wenn sie fein zertheilt sind, ihre Adhäsion stark und ihrspecifisches Gewicht wenig verschieden ist. Im Schlamme, der dembloßen Auge homogen erscheint, kann man mit dem Mikroskope diefremdartigen Theile unterscheiden. Bei fetten Oelen, wo uns dasMikroskop verläßt, kaun man durch Pressen den festen von demflüssigen Bestandtheile trennen. Bei den Quecksilbersalben führt auchdicseö Mittel nicht zum Ziele, und dennoch sind sie bloß Gemengedes Quecksilbers und eines starren oder flüssigen Oeles u. s. f.(C. G. Mitscherlich, Poggcnd. Annal. 1829. XV I. p. 53.) Beiden chemisch einfachen Stoffen aus der anorganischen Welt gehtdas Flüssige in den festen Zustand fast immer mit einem starkenSprunge über. Nur bei den Körpern organischen Ursprungswird das Flüssige nicht selten erst zu einer Gallert, ehe cS erstarrtund die Grenzlinie für unser Auge gänzlich verwischt. Indessen fin-det sich dieses auch hier fast nur bei solchen Körpern, deren chemi-sche Reinheit sehr unwahrscheinlich ist, und wo ein Bestandtheil,indem er früher erstarrt, dsm andren noch flüssigen Stoffe einenTheil seiner Beweglichkeit raubt. Bei organischen Körpern von er-wiesener Reinheit ist der Uebergang zwischen den Aggregatzuständengewöhnlich eben so scharf, wie bei dem Wasser.
§. 12. Es ist eine Aufgabe für die Naturphilosophie, denCharakter der drei Aggregatzuftände anzugeben, und diese als noth-wendig und die einzig möglichen zu erweisen. Die Dynamik würdehierbei keine bedeutenden Schwierigkeiten zu überwinden haben. Aberdie Atomistik, deren Principien schärfer bestimmt sind, hat es bisjetzt noch nicht auf eine genügende Weise gethan.