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Die Lehre von der Cohäsion, umfassend die Elasticität der Gase, die Elasticität und Cohärenz der flüssigen und festen Körper und die Krystallkunde : nebst vielen neuen Tabellen über alle Theile der Cohäsionslehre, in's besondere über die Elasticität und die Festigkeit / von M.L. Frankenheim
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8
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8 Einleitung.

In älteren Zeiten nahm man an, daß bei den Flüssigen dieTheile rund und glatt seien, bei den Festen dagegen rauh und po-polygonal. Seitdem man jedoch weiß, daß fast ein jeder Körperaller drei Aggregatzustände fähig ist, kann man ihren Unterschiednicht mehr in die Gestalt der unveränderlichen Atome setzen. DurchGruppirung der Atome die runde Form der Flüssigen in dieeckige der Festen zu verwandten, ist eine verwickelte und nichtdurchzuführende Hypothese. Die Unterschiede bestehen daher nur inder Dichtigkeit der Wärmeatmosphären. Nach der gewöhnlichen Mei-nung nehmen die festen Körper, wenn sie flüssig, und diese, wennsie zu Gasen werden, eine bedeutende Wärmemenge in sich auf.Hierdurch wird die Repulsion kräftiger und bei den Gasen überwiegtsie sogar. Bei den Flüssigen dauert zwar die Anziehung fort;allein sie ist viel schwächer als bei den Festen, und in gewissen Be-ziehungen halten sich Abstoßung und Anziehung das Gleichgewicht.

Diese Erklärung ließe wenig zu wünschen übrig, wenn die flüs-sigen Körper wirklich die Mitte hielten zwischen den festen und denGasen und in beide allmäÜg übergingen. Aber das Bedürfnißdie Verschiebbarkcit, welche der charakteristische Unterschied zwischenFestem und Flüssigem ist, zu erklären, führte zu folgenden Modifica-tionen, die auch in der Krystallisation eine Stütze finden.

§. 13. Die Molekeln haben eine polyedische Gestalt, den Pri-mitivformen der Krystalle parallel.

Die Molecularkräfte zerfallen in zwei Theile. In dem eine»sind die Kräfte nach allen Richtungen hin einander gleich, in demandren sind sie ungleich. Jene sind Hauptkräfte, diese sind secnn-där. Don jenen hängt die Elasticität ab; von diesen die Krystalli-sation und andere damit in Verbindung stehende Processe. Aberdie Sphäre ihrer Wirksamkeit scheint viel kleiner zu sein, als dieder Hauptkraft.

Ich würde statt dieser, vvn P oisson (Kur l'eguikibro ckos kn-icken. Llemkstros «!o Mlcaäsmie. 1830. I'onr. IX.) gegebenen Dar-stellung im Sinne der Atomistik folgende vorziehen:

Die Molecularkräfte zerfallen in zwei Theile, der eine wirktin der die Schwerpunkte verbindenden Linie, der andere in der dar-auf senkrechten Ebene. Beide sind nach verschiedenen Richtungenverschieden. Wo die Theile regelmäßig gelagert sind, d. h. in denKrystallen, haben alle einander parallele Richtungen gleiche Molecu-