Buch 
Die Lehre von der Cohäsion, umfassend die Elasticität der Gase, die Elasticität und Cohärenz der flüssigen und festen Körper und die Krystallkunde : nebst vielen neuen Tabellen über alle Theile der Cohäsionslehre, in's besondere über die Elasticität und die Festigkeit / von M.L. Frankenheim
Entstehung
Seite
123
JPEG-Download
 

Prosaphie und Temperatur.

123

aphie in Tropfen, welche auf erhitzte Metalle gebracht werden.Wenn Wasser in einem Löffel über Feuer gehalten wird, so ver-dampft es um so schneller, je heißer es ist und kommt bei einergewissen Temperatur zum Sieden. Wird dagegen der Löffel biszum Sieden erhitzt und das Wasser erst dann hinein getröpfelt, sobehält der Tropfen seine Kugelgestalt bei, um so vollständiger, jehöher seine und des Löffels Temperatur ist. Er verdampft sehrlangsam und erst, wenn der Löffel vom Feuer genommen und ab-gekühlt ist, verwandelt sich der Tropfen mit Explosion in Dampf.Man beobachtet dieses in jeder Werkstätte, wo Metall geglüht wird,in jeder Glashütte, wo Wasser mit dem geschmolzenen Glase inBerührung kommt, aber erst Leide nfrost hat es genauer un-tersucht.

§. 100. Diese Erscheinung ist nur im Vergleiche mit dem,was man beim Wasser in gewöhnlicher Temperatur sieht, paradox,mit dem Verhalten des Quecksilbers auf Glas oder Metall, undselbst eines Wassertropfens auf einer ganz mit Ruß bedeckten Flächestimmtjsie vollkommen üborein. Man kann einen angerußten Löffel mitdem Wasser weit über die Siedhitzc erwärmen, ohne daß der Tropfensiedet. Er bleibt NI»d, verdampft langsam und bewegt sich um sichselbst, weil die fortschreitende Bewegung durch die rauhe Oberflächeeinigen Widerstand erleidet. Sobald aber irgend eine Lücke in derKohle entsteht, so daß das Wasser an einem Puncte mit dem Me-tall selbst in Berührung tritt, so drängt daä eine starke Pros-aphie zum Metall besitzende Wasser die locker damit verbundeneKohlenschicht hinweg und kommt in's Sieden.

Der Winkel, unter dem die Flüssigkeit und das Metall sichtreffen, scheint bei einer jeden Temperatur constant zu sein. Mitdem Sinken derselben steigt die Anziehung beider Körper, der Tro-pfen wird flacher, die Größe der Berührungsfläche ninzmt zu, seineTemperatur steigt nun schnell, und er beginnt zu sieden. In hohenWärmegraden ist der Tropfen sehr rund und dem Quecksilber gleich,(§. 81.) fällt er nicht durch enge Oeffnungen.

§. 10T. Diese letzte Erscheinung ist von von Perkins, einemder genialsten Mechaniker unsrer Zeit, zur Sprache gebracht wor-den. Es war ihm ein Dampfkessel während der Arbeit gesprungen.Obgleich aber der Druck 50 Atmosphären betrug, drang kein Wasserdurch, so lange der Kessel heiß blieb. Erst als er sich abgekühlt hatte.