Charakteristik. 891
Zweiter Abschnitt.
Charaktere der Krystallreihen.
§. 22. Der vorhergehende Abschnitt enthält einen Umriß derbei allen Kryftallreihen statt findenden Gesetze. Um aber die Ver-hältnisse der Krystallreihen gegen einander kennen zu lernen, ist esNöthig, eine Charakteristik aller bekannten Krystallreihen zu entwer-fen. Dieses hat man jedoch bisher nur für die natürlichen Kry-stalle gethan. Ein Zoologe, dem es gelungen wäre, ein neues Thierdurch Kunst hervorzubringen, würde es sogleich in das System ein-tragen. Die Krystallographie ist jedoch bis jetzt die Dienerin derMineralogie gewesen. Die künstlichen Krystalle, die ihr nicht min-der nahe stehen, als die natürlichen, und weil man die Umstände ih-rer Entstehung in seiner Gewalt hat, noch mehr Ausbeute für die Er-kenntniß der Krystallisationskraft versprechen, sind bis jetzt fast gänz-lich vernachlässigt. Man hat sie wol beobachtet und beschrieben,namentlich verdanken wir Mitscherlich und Brooke zahlreicheund genaue Messungen, allein in der Regel hat man nur die Win-kel gegeben, ohne sie auf systematische Weise zu berechnen. Ichhabe alle mir bekannt gewordenen Beobachtungen von Krystallen,künstlicher wie natürlicher, auf gleichförmige Weise berechnet. Ichwerde jedoch, um die diesem Werke gestellten Grenzen nicht zu über-schreiten, die Tabelle hier nicht bekannt machen, sondern mich dar-auf beschränken, die Art der Charakteristik und einige Resultate ausder Berechnung mitzutheilen.
I. Charakteristik.
§. 23. Die Charakteristik der einzelnen Körper bezieht sichauf drei Klaffen von Eigenschaften, auf die formellen, die phy-sischen und die chemischen.
Die Krystall form wird nach zwei Seiten hin betrachtet:die Charakteristik der Formen als Ganzes und die Ausbildung.Jene besteht in der Grundform und in der Art der Hemiedrie.Hierbei gehe ich, das Heragonalsystem ausgenommen, stets von dreiAchsen aus, die, wo es ohne Zwang geschehen kann, perpendiculärauf einander stehen.
Zur Bestimmung der Grundform gehören fünf Angaben, diedrei Winkel der Achsen und das Grundverhältniß. In den Syste-
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