346
Krystallogenie.
und dke neue aber gleichartige, krystaWrende Materie legt sich an ihnan; oder drittens zwei schon gebildete Kryalle legen sich an einander.
Fortwachsen eines Krystalls.
§. 10S. Um die Gesetze des Fortwachsens kennen zu lernen,müßte man den Krystall in eine Lage versetzen, wo der krystallisi-rende Stoff ihn anf allen Seiten in gleicher Menge umgiebt. Die-ses ist nun selten der Fall, z. B. wenn die Krystallisation innerhalbeiner Gallerte statt findet, welche den sich bildenden Krystall schwe-bend erhält, z. B. eine Alaunlösung in Thonerde. Auf eine ähn-liche Weise, sind wahrscheinlich die Granate und andre Krystalle inporphyrartigen Massen gebildet. Die Krystalle sind dann immersehr regelmäßig, d. h. krystallographisch gleiche Linien und Flächenhaben auch eine gleiche Ausdehnung; allein die Umstände sind einerBeobachtung der relativen Vergrößerung verschiedener Linien imKrystall nicht günstig. Man erkennt diese besser unter dem Mikro-skope, wo die Anzahl der Krystalle sehr groß und ihr Volumen ge-gen das der umgebenden Flüssigkeit sehr klein ist. Die auf dieFläche der Unterlage perpendiculäre Dimension bildet sich freilichimmer auf eine eigenthümliche Weise aus, aber allen der Unterlageparallelen Linien ist der neu krystallisircnde Stoff auf gleiche Weisezugewendet.
Man beobachtet zuvörderst, daß der Krystall bei seinem An-wachsen nur in der absoluten, aber nicht in der relativen Größeder horizontalen Dimensionen eine Veränderung erleidet. Die Fla-chen, welche sich an den größeren Krystallen vorfinden, werdenauch, so weit das Auge reicht, in fast derselben relativen Größe anden kleinsten Krystallen beobachtet, so daß man zu der Annahmeberechtigt ist, daß die Flächen, welche an dem großen voll-endeten Krystall vorkommen, auch schon bei den er-sten Rudimenten des Krystalls vorhanden waren.
Ferner sind krystallographisch gleiche Linien von glei-cher Größe. In dem anf einer seiner Flächen liegenden Kochsalz-würfel, kann die Höhe sehr verschiedene Werthe haben ^ aber diebeiden horizontalen Dimensionen sind einander bei allen dem Randeder Auflösung nicht zu nahe liegenden Krystallen vollkommen gleich;der Querschnitt ist ein Quadrat.
Bei verschiedenen Dimensionen, wie sie im rhombischen und