Buch 
Die Lehre von der Cohäsion, umfassend die Elasticität der Gase, die Elasticität und Cohärenz der flüssigen und festen Körper und die Krystallkunde : nebst vielen neuen Tabellen über alle Theile der Cohäsionslehre, in's besondere über die Elasticität und die Festigkeit / von M.L. Frankenheim
Entstehung
Seite
369
JPEG-Download
 

Beobachtungen, abnorme Krystalle. 869

b. Abnorme Krystalle.

§. 11. Vollkommen normale Krystalle sind sehr selten. Selbstbei ganz glatten Krystall- und Durchgangsflächen findet man zwi-schen krystallographisch gleichen Winkeln oder den Resultaten derRechnung und der Beobachtung Abweichungen von einigen Minu-ten, die nur von einer Krümmung herrühren können. Zuweilen istdie Krümmung der Durchgänge so stark, daß sie auch ohne Messungsichtbar wird. Die Fläche wird convex oder concav, zuweilen sat-telförmig und die Kante 17 oder Kförmig gebogen. So ist's zu-weilen im Diamant, dem Turmali», dem Eisenspath,Talkspath und in's besondre in dem auch in dieser Beziehungausgezeichneten Kalkspathe. Im polarisirten Lichte zeigen sieAnomalien. Der Diamant, der als ein Krystall des tefferalen Sy-stemes keine doppelte Brechung haben sollte, verhält sich zuweilenwie ein einachsiger Krystall. Aehnliches würde man unstreitig auchan den gebogenen Glimmer- und Gypsblättchen wahrnehmen.

§. 12. Diese Abweichung von der normalen Lage entstandentweder erst in dem vollendeten Krystall oder schon in der Zeitseiner Bildung. Jede Kraft, die auf den Krystall einwirkt, bringteine Abänderung in den relativen Cohäsionskräften hervor und mitwenigen speciellen Ausnahmen, auch eine Krümmung. Dicke Kry-stalle verlangen zwar eins große Kraft, um ihre Lage merklich zuverändern, eine Kraft, die gewöhnlich hinreichen würde, sie zu zer-brechen; aber langsäulige, saftige oder blättrige Krystalle sind mei-stens stark gebogen.

Solche eins» schon vollendeten Krystall biegenden Kräfte sind:

1. Künstlicher Druck, indem ein Krystallblatt oder eine Faserum einen runden Körper gelegt und so befestiget wird.

2. Die Schwere, durch welche jeder Krystall, der nicht mitallen seinen Theilen aufliegt, und besonders dünne, lange Krystallegekrümmt werden.

3. Die Temperatur. Ein Krystall lehnt sich bei seiner Bil-dung an eine fremde Substanz. Durch Wärme dehnen beide sichaus, und wenn sie nicht eine völlig gleiche Ausdehnung haben, somüssen sie sich krümmen, wie ein Paar zusammengelöthete Gold- undPlatinastreifen. Selbst zwei homogene, aber in geneigter Stellungau einander gewachsene Krystalle werden sich aus diesem Grund!

24