231
wollten. Weise Fürsten haben dies längst erkannt, die„geschichtlich begründeten" Vorrechte gewisser Standeals Usurpationen aufgehoben, oder beschrankt, und er-klärt, „daß die Zeit der Privilegien und der Befreiungenfür immer vorüber sey und nie mehr zurückkehrenwürde." *)
2.
Der Geist der Zeit ist nicht gegen die monar-chische Regierungsform, und nicht gegendie Fürsten.
Diese behauptete Quelle der jüngsten Revolutionenist eine Verläumdung. Allerdings haben die Bedrückungender Völker, der verkannte oder nicht beachtete Zeitgeistund die im vorigen Abschnitte angeführten Gebrechenund Mißgriffe der Regierungen in allen Zweigen derStaatsverwaltung dem monarchischen Princip tiefeWunden geschlagen; der Nimbus des Königthums istverschwunden: aber die Vorliebe für die monarchischeRegierungsform an sich selbst ist den EuropäischenVölkern der neuen Zeit so tief eingewurzelt, und ihreVorzüge in Hinsicht der Erhaltung der inneren Ruheund Ordnung (woran dem Mittelstände überall mehrgelegen ist, als an einem kleinen Bruche der Souverännetät) sind so auffallend, daß nur wenige von Ehrgeiz,Dünkel und Hoffnung aufgeblasene junge Leute eineRepublik träumen, deren Vortheile sie nicht wollen
') Worte des Kronprinzen von Preußen. S. ailgem. Zeit.Zahrg. 18U. Nro. 40.