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Ueber Wollhandel und Wollmanufaktur in Grossbritannien von frühester bis auf gegenwärtige Zeit / nach amtlichen Urkunden von Caesar Moreau
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welches die Haupt-Stapelplatz? Englands 'sind, einer einzigen Kompagnie^ die sich die einzige Kauf-manns-Kompagnie nennt, anvertraut wird, so ist dies für alle insgesammt nachtheilig, denn:

1) zwingen sie die Tuchfabrikantcn, jeden Preis, den sie ihnen zahlen wollen, anzunehmen,

indem sie die zu Markt gebrachten Waaren nicht eher kaufen, bis jene durch die Nothgezwungen werden, sie selbst mit Verlust zu verkaufen. Ferner limitiern sie oft die An-zahl Luch, welche verschifft werden soll, und bestimmen, wie viel jeder einzelne Kaufmannfür seinen besondern Theil verschiffen soll, so daß der Direktor, die Deputirten und dieKommission für. sich und ihre Freunde den größten Antheil nehmen können; dies ist nichtnur nachtheilig für die übrigen, sondern hindert auch, baß um so viel mehr Tuch im Aus-lande abgesetzt wird. ' .

2) Die Kompagnie beschränkt den Verkauf diestr bedeutenden Stapel-Branche auf wenig Platze

im Lande, als den Handel aller westlichen Gegenden Londons.

1662. Die beiden letztern Clauseln wurden als Vorsichtsmaßregeln gegen die barbarischenSeeräuber bezeichnet..

Neue Statute wurden erlassen, um die Woll* Ausfuhr zu verbieten.

1666. Durch ein Statut zur Aufmunterung der Wolley-Manufakturen Englands (18. Car. II.c. 4) wurde verordnet, daß Niemand in einem Hemde, welches aus Flachs, Hanf, Seide, Haar,Gold oder Silber rc. gemacht oder damit gemischt wäre, und welches nicht aus Wolle allein be-stände, begraben werden sollte; bei Strafe von 5 L.St. zum Besten der Armen des Kirchspiels,um ein Arbeitshaus zu ihrer Beschäftigung zu errichten.

1667. Was der Aldermann Cockagne ohne Erfolg während sieben Jahre (von 1608 bis1615) versucht-hatte, wurde im Jahre 1667 zu Wege gebracht, indem taugliche Arbeiten ange-wandt und richtige Maßregeln getroffen wurden.. Ein Brauer kam aus den Niederlanden mitseinen Dienern nach England herüber, und wurde von der Regierung gehörig aufgemuntert, umunser Volk im Färben und Appretiren des feinsten weißen Wollcntuches zu unterrichten, wodurchnun dieses vor der Exportation zur größten Vollkommenheit gebracht wurde.

1675. Die Holländer waren, lange nachdem sie unabhängige Staaten erlangt hatten, mitder neuen Tuch-Fabrikation Englands, nämlich mit den Bayes,. Sayes rc. unbekannt geblieben;die Engländer hatten tiefe von den Flamländern gelernt, die Alba's Verfolgungen vertrieben'hat-ten, und versahen die Holländer mit großen Quantitäten Tuch, hauptsächlich aber mit weißem,welches diese färbten und appretirten, und nach Deutschland und vielen andern Gegenden expor-tirten.

Die Briten hatten früher allein bett Handel mit Dänemark, Norwegen, Schweden, Liefland,Polen und Preußen, durch die früher sehr blühende Easiland- (Ostsee-) Kompagnie, die Königl.Kompagnie genannt; indessen verringerten sich die Ausfuhren nach allen diesen nördlichen Gegen-den, indem die Holländer große Woll-Manufakturen anlegten und die Flamlandcr die ihrigen er-neuerten. Früher hatten die Engländer den alleinigen Handel mit Wollentuch nach Frankreich,

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