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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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>, wurt er sie zur Grast Heinrichs Handren zur Vadutz. Nota in denselb Sichtag, da überfiel Graf Eberlin (Albrecht) der jüngere zu Heiligenberg, Graf Hartmann Bischoff zue Chur am St. Martinsabend (10. November) und fueret ihn auf den Heiligenberg gefangen, nnd des Ueberfalls erschrakt) mein Herr Graf Ruedolff, und>, meinet es solt über In gangen sein, und hueß ihn gehn Fueßach fueren, so starb er am siebenden Tag, und ward todt gehn Veldtkürch gefriert, el idi sepultus vsi. Mit seinem Tode kamen die Stammlande der Montforter größtentheilsin fremde Hände und bildeten fortan einen Bestandtheil der östr. Monarchie, welchersie immer angehörten, und auch jetzt noch angehören, nur daß Feldkirch kurze Zeit(18061813) im Besitze der Krone Barern war.

Die an Oestreich von Grafen Rudolf nicht verkauften Güter (1375) sprachGraf Heinrich von Werdenberg Sargans des Grafen Hartmanns und der Agnesvon Montfort Sohn und Schwager Rudolfs an z aber auch Graf Heinrich vonWerdenberg Herr zu Rheinegg, dessen Gemahlin gleichfalls eine von Mont-fort war, machte Ansprüche theils an Feldkirch selbst, theils an die übrigen Güterdes Grafen Rudolf von Montfort-Feldkirch. Dessen Sohn Graf Rudolf erhieltauch den 19. Januar 1390, halb Dornbirn und Staüftn, auch einen Theil desBregenzerwaldes*). Wegen der Feste Jagberg und anderer Güter kam den 25. Juli1391 ein Vertrag zwischen den Herzogen von Oestreich und dem obigen Graf Hein-rich von Werdenberg-Sargans zu Stande, wodurch vorerst diese Erbsangelegen-heiten beendigt schienen2).

Zum Schluß? mögen hier noch einige Züge stehen, welche den Charakter diesesletzten Grafen von Montfort, von der Feldkirchcr-Linie, in einem freundlichen Lichtedarstellen, und ihm in dieser Beziehung gewiß den Vorzug vor vielen seiner Zeit-genosten und Nachbarn geben dürsten.

Graf Rud'olf bei all' den vielen Fehden, die er führte, bei seinem unruhigen,selbst von Ehrgeiz nicht freiem Charakter, seinem veränderlichen und wankclmüthigenSinne, der ihn so leicht von einem Entschluß? zum andern führte, mit sich selbstwohl bisweilen in Widerspruch brachten, und für ihn die Quelle so mancher Ver-legenheit wurde, war doch ein menschenfreundlicher, gemüthlicher Mann, der besondersseine Unterthanen herzlich liebte, und im wahrhaft grellen Widerspruch mit seinenandern, selbst geistlichen Nachbarn, welche unter dem Vorwande ihrer althergebrachtenRechte ihre Angehörigen immer mehr zu belasten trachteten, und in ihrem verkehrtenHochmuth und Egoismus in ihnen mehr Sachen als Menschen sahen, diese seine Un-

>) S. Anhang Sir. 132.

2) S. von Müllers Geschichte der Eidgenossen n. B., S. Kap-, S. 218.