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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Urthanen zu schütze» und zu erleichtern suchte, und sich auf mehrfache Weiss zu ihnenmehr als ihr Vater als ihr Herr herabließ. Der Beweis liegt in mehreren, von ihmausgestellten Urkunden und getroffenen Einrichtungen. Fast allgemein war der Leib-fall, und ein jeder Gutsherr bezog denselben unter verschiedenen, oft mehr oder minderdrückenden Formen von seinen Unterthanen. Groß war daher der Eindruck bei demVolke, als Graf Rudolf alle Gvtteshausleute zu Fueßach und Höchst, die in denihm zustehenden Kellnhof zu Höchst gehörten, von dem Leibfalle, ohne von ihnenhiczu veranlaßt worden zu sein, befreite, weil, wie er sagte, sie ihm keinen schuldigwären t). Auch die Stadt Feldkirch sprach er von aller Leibeigenschaft los undgestattete ihnen, ihren Ammann selbst zu wählen, so wie er auch ihnen noch weitereFreiheiten schenkte. Den ersten großen Freiheitsbrief für Feldkirch ertheilte er derStadt, ehe er seine Herrschaften an Oestreich verkaufte (1373) und ließ denselbenvon dem Herzog Leopold besichtigen. Im Jahr 1381 stellte er der Stadt Feldkircheinen zweiten Freiheitsbrief aus, für welchen jedoch dieselbe ihm 1500 ^ bezahlte.Beide diese Freiheitsbriefe wurden zu Zürich hinterlegt 2). Dabei war er freigebigund wohlthätig gegen die Seinigen, die er als seine Kinder ansah und behandelte.Von 23 Jahren versammelte er alle Knaben seiner Herrschaft um sich, welche mitihren Fähnlein und hölzernen Waffen nach Feldkirch zogen, da ihre Spiele trieben,und von Graf Rudolf mit Mich und Hirsbrei gespeist wurden, wobei er Wein undBrod unter das Volk vertheilen ließ. Ebenso veranstaltete er Scheibenschießen mitArmbrust, bei welchen er einen Ochsen und sonstige Geschenke als Preis aussetzte.Auch sogenannte Osterspiele gab Graf Rudolf zur Ergötzlichkeit seines Volkes. UmGeorg! 1380 hielt er ein solches »zue Veldkürch auf dem GottSakher, daß weret drei Tag, gar schön, kostet wol 500 fl. und am Sonntag vor St. Pankraz 1389» hielt mein Graf Rudolfs das ander Ostersphl auf dem Gottsakher, drei Tag"schreibt der Chronist.

Durch solche Voiksspiele, die in Feldkirch nach seinem Tode noch zu seinem An-denken durch Jahrhunderte fortgefeiert wurden, erwarb er sich die Liebe und Anhäng-lichkeit seines Volkes in so hohem Grade, daß sie ganz an ihm hingen, und unge-

') Zellwegers Geschichte des Appenzellervolkes, I. Thl., S. 201.

Die Urkunde hierüber ist zu Feldkirch am Mittwoch nach St. Valeniinstag 1376 aus-gestellt. St. Gallcr Archiv.

2) Dem Graf Rudolf verdankte die Stadt Feldkirch auch das Eigenthum zweierWälder, in deren Besitz sie noch ist, den Wald längs der Zll zwischen Tasters, NovelSund Giesingen, und den Wald im Taminathal. Erstem überließ Graf Rudolf den Fcld-kirchern (1377) um 70 Fl. letzter» (1378) nm 100 Fl. S. Merkle. Vorarlberg II. Abth-,S. tSZ.