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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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wurde von ihnen in Burgdorf belagert. Es wurde ein Waffenstillstand geschloffen,mit dem, daß wenn die Stadt innerhalb drei Wochen nicht entsetzt würde, diese denEidgenossen übergeben werden sollte.

Gr. Heinrich, zum Entsatz aufgefordert, versammelte den Adel der Umgegendmit ihren Söldnern und Knechten unter seinem Banner und rückte mit einem starkenHeerhanfen (3000 Mann) bis auf eine halbe Stunde vor Burgdorf. Da er aberkeine Schlacht wagen wollte, warf er 200 Reisige in die belagerte Stadt und zwangdie Eidgenossen dadurch zum Abzüge. Er selbst kehrte wieder in sein Land zurück?)

Im folgenden Jahre wurde Heinrich Hauptmann des StädtebundcS, welcheraus den sogenannten Seestädten, Konstanz, Ravensburg, Lindau, Ueberlingen,St. Gallen, Pfullendors, Wangen, Buchhorn, Jsny und Leutkirch bestand.Dieser Bundesbrief wurde zu Konstanz den 22. April 1384 ausgefertigt. In dem-selben versprachen die Städte dem Gr. Heinrich, auf 10 Jahre keinen seiner Unter-thanen zum Bürger aufzunehmen, ihm gegen alle seine Feinde, den römischen Königausgenommen, beizustchen; er dagegen machte sich anheischig, auf fünf Jahre desBundes Hauptmann zu sein, ihnen mit 10 Reisigen in ihren Kriegen zuzuziehen,seine Festen ihnen zu öffnen Und auf Kosten des Bundes bei den Zusammenkünftenund Geschäften desselben sich brauchen zu lassen. Ein Beweis des Ansehens undVertrauens, welches Gr. Heinrich in seinem Vaterlande besaß.

Das traurige Schisma in der Kirche, welches dadurch entstand, daß zweiPäpste, Urban VI . im I. 1378 und Clemens VII. im folgenden Jahre (1379) voneinem Theile der Cardinäle gewählt wurden, von welchen der erstere zu Rom, derletztere zu Avignon residirte, erstreckte sich auch auf die hiesige Gegend, indem einigeWeltliche und Geistliche die Partei des Papstes Urban VI., andere des Papstes Cle-mens -ergriffen2). Beide Theile suchten sich zu verstärken und die Mittel, derenman sich hierzu bediente, waren nicht immer lobenswerth, indem man zu Beste-chungen, Verheißungen unv Ertheilung geistlicher Gnaden und Privilegien seineZuflucht nahm, ja selbst sich der Waffen bediente, einander bekriegte, um sich aufeine wahrhaft »»christliche Weise zu bekehren. Auch Gr. Heinrich nahm an diesenkirchlichen Händeln Antheil, indem er sich für den Papst Urban und dessen Nachfol-ger in Rom erklärte, die ihm von der Gegenpartei angebotenen großen Geschenke

') S. Anhang Nr. 117.

2) Mit dem Papst Urban vi. hielten es der König Wenzel und der größte Theil. der deutschen Fürsten, dagegen Herzog Leopold von Oestreich mit seinen Anhänger»größtentheils den Papst Klemens vn. als den rechtmäßigen Papst anerkannten. Hierinwar Graf Heinrich von Montsort nicht der Ansicht seines Dienstherr», indem er sich andie Partei des Papstes Urban VI. hielt.