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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Wilhelm) alle die übrigen Besitzungen ihres verstorbenen Vaters, namentlich Tett-nang mit Argen und Wasserburg, Rothenfels und die Pfandschaft Werdenberg rc.verbleiben. Zeugen, vielleicht auch Vermittler dieser Theilung waren die Gr. Hugound Wilhelm von Montfort zu Bregen;, ihre Vettern. Diese Uebereinkunft erlittzedoch eine Abänderung, indem in einer Urkunde vom 16. Oktober 1421, nachwelcher das Kloster Langenau einem Leibeigenen auf die Fürbitte der beiden Grafendie Freiheit schenkt, sich Gr. Rudolf, Herr zu Rothenfels, sein Bruder WilhelmHerr zu Tettnang schrieben i). Wahrscheinlich geschah diese Abtretung Rothenfelsan den Gr. Rudolf, als derselbe Scheer verloren hatte.

Um diese Zeit zeigte sich der Verfall der Montforter Familie schon auf eineauffallende Weise, nicht nur, daß der weit größere Theil der alten Familiengüter,welche Hugo und Rudolf vor etwa 190 bis 200 Jahren besessen hatten, in fremdenHänden war, so war das nur pfandweise Eigenthum, das Dinggau, verpfändet,Gr. Rudolf, der ältere Sohn, verschuldet und auch sein jüngerer Bruder Wilhelmscheint nicht in den besten ökonomischen Verhältnissen gestanden zu sein; auch warendie Montforter, einstens die mächtigen Gegner und Nebenbuhler des östreichisch-habsburgischen Hauses, zu Dienern eben dieses Hauses herabgesunken, und die ein-stens in diesen Gegenden über Krieg und Frieden geboten, waren in den Kämpfender damaligen Zeiten zu minder bedeutenden Helfern geworden.

Die beiden Brüder, Rudolf und Wilhelm, scheinen ihre Lage gefühlt zu haben,daher, statt wie früher, die väterlichen Besitzungen gleich zu theilen, der ältere fastalle seinem jüngeren Bruder Wilhelm überließ und sich mit einer Art von Apanagebegnügte2), zugleich aber jede Veräußerung der Familiengüter von seiner Zustim-mung abhängig machte. Wilhelm scheint aber die Verpflichtungen, welche er gegenseinen Bruder Rudolf, im Betreff der Auslösung, des Dorfes Herbertingen, dieBezahlung der Schulden u. s. w. aus Mangel an Geld nicht haben erfüllen zu kön-nen, indem Gr. Wilhelm an seinen Bruder Rudolf im I. 1412 überläßt und ver-kauft eine jährliche Gült von 11 Seefuder Wein und 40 Malter Korn, desgl. in

1) S. Anhang Nr. 187.

2) Graf Rudolf scheint überhaupt ein guter Mann gewesen zu sein, welcher denFrieden höher, als den Besitz größerer zeitlicher Güter schätzte. Seiner Mutter BruderGraf Johann von Habsburg-Lanfenburg hatte ihm auf den Fall seines Todes mehrereGüter im Aargan vermacht. Nun scheint es, es habe dieses den Grasen Johann ent-weder gereut, oder seine Lage sei von der Art gewesen, daß er nur schwer sein Ver-sprechen erfüllen konnte. Da spricht ihn Graf Rudolf, Heinrichs Sohn von Montfort frei-willig von aller Verbindlichkeit los, und gestattet daß sein Onkel diese ihm eventuell über-wiesenen Güter verkaufen dürfe. Urkunde vom S. Juni 1395 bei »err§ott ooU. vixi.i»U Uvneal. Uom. Ilsdsbiirx. S. 773, Nr. 894.