Buch 
Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
Seite
173
JPEG-Download
 

173

und einigem groben Geschütze wurde nach der Sitte der damaligen Zeit der Stadtzwar ernstlich zugesetzt, allein Gr. Wilhelm, unterstützt von den wackern Bewohnernder Stadt, vertheidigte sich tapfer und schlug alle Angriffe zurück, so daß die Be-lagerung sich in die Länge zog. Nach Martini fiel eine außerordentliche und anhal-tende Kälte ein, so daß die Seen und Flüsse zufroren, hierauf folgte plötzliches Thau-wetter und eine Ueberschwemmung. Alles dieses konnte zwar die Appenzeücr nichtbewegen, die Belagerung aufzugeben, doch entfernten sich viele vom Heere der Be-lagerer, um bei besserer Jahreszeit wieder zurückzukehren. Da gingen Boten durchganz Oberschwäben; die Fürsten und Herren, erschreckt und bedroht, daß wennBregenz in die Hände der Appenzeller fallen würde, diesen und ihren Verbündetenganz Schwaben offen stünde*) und dann ein Jeder bedroht wäre, boten ihre Leuteauf, nahmen Söldner an und sammelten sich unter dem Banner des St. Georgen -und Löwenbundes. Besonders betrieb Gr. Rudolf von Montfort-Tettnang-Scheerdielen Kriegszug, an dessen Spitze er sich mit dem ostreich. Hauptmann, dem Gr.Herrmann von Sulz, stellte. In aller Stille und Schnelle zogen sie nach Bregenz,und es gelang ihnen, den 13. Januar 1108 die Belagerer zu überfallen, sie mitdem Verluste ihres Anfübrers und weiterer 500 Mann in die Flucht zu schlagen,auf welcher die Appenzeller viele Gefangene und alle ihre Belagerungsgeräthschasten,Geschütz rc. verloren und sie eine solche Furcht anwandelte, daß sie, mit Ausnahmeder Festen Rheinegg und Altstetten im Rheinthale alle ihre Eroberungen aufgabenund verließen.

So war die Stadt Bregenz den Gr. von Montfort erhalten, nicht nur aberdiesen allein, sondern auch dem Hause Oestreich, dem Adel und der höhern Geist-lichkeit, deren Fortbestand in dieser Gegend durch den Fall der Festung und denAnschluß der Bregenzer an den sich immer mehr vergrößernden Bund ob dem Seesehr gefährdet war. Man erkannte dieses von Seiten des Adels und der Fürstenauch, daher nicht nur die Anstrengung und die Vereinigung derselben, um Bregenz zuentsetzen und zu erhalten, sondern, da man diese Erhaltung der Stadt hauptsächlichder Tapferkeit und Ausdauer ihrer Bürger verdankte, so beeiferte man sich, dieStadt Bregenz und ihre Bürger durch ausgezeichnete Freiheiten und eingeräumteRechte zu belohnen. Kaiser Rupert ging voran, indem er laut Urk., «tat. Konstanzam Mittwoch nach Lätare (vierten Fastensonntag) 1408, also noch vor Abschlußdes Friedens, bestimmte, daß kein Angehöriger der Stadt Bregenz vor ein kaiserl.Landgericht, mit Ausnahme des kaiserl. Hofgerichts selbst und des zu Rottweil, ge-

H Die Appenzeller sollen auch wirklich in ihrem Uebermuthe gedroht haben, sowie siemit Bregenz fertig wären, über ganz Schwaben herzufallen und alle Herren nnd Pfaffe»zu verjage».