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lich von diesem Kriege, welcher im I. 1618 in Böhmen begann, wenig »nd dieSchrecknisse desselben berührten vorerst Schwaben nicht. Aber schon mit dem Jahre1628 nahten die Vorboten derselben, als die kaiserl. und ligistischen Truppen inOberschwaben Quartiere bezogen, die Durchmärsche derselben nach Italien (1629)in Folge des Mantuanischen Krieges begannen und Wallenstein sein -Hauptquartierselbst nach Memmingen verlegte (1. Juli 1630). Ein eigener Geist herrschte unterdem kaiserl. ligistischen Heere. Abenteurer jeder Art, Menschen jedes Standes, denAusschweifungen ergeben, hatten sich dem Heere einreihen lassen, um ungestraft ihrenLeidenschaften fröhnen zu können. Stolz und übermüthig durch ihr bisherigesWaffenglück,welches ihnen den Geist einprägte, als wärm sie unüberwindlich, waren außer demDienste jede Bande der Ordnung aufgelöst. Zügellos, habsüchtig, oft ohne Soldund geordnete Verpflegung fielen sie über die Länder und ihre Bewohner her, ohnegroßen Unterschied zu machen, ob es Freunde oder Feinde traf, als über eine ihnenzugewiesene Beute. Ein Heer von Verpflcgungsbeamten, Kriegskommissarien ge-nannt, welche unter dem Vorwande, für die Truppen zu sorgen, dem Wohllebennachjagten und sich zu bereichern suchten, erlaubten sich jede Bedrückung. Ein großerTroß von Weibern und Kindern, schlechten Dirnen und Knechten schlössen sich demHeere an und halfen das Elend der Gegenden vergrößern, in welchen sie lagerten.Die Tagebücher der Klöster und Städte unserer Gegend, Briefe, welche die bitterstenKlagen enthalten von mehreren angesehenen Männern dieser Zeit, z. B. von HerzogLeopold an Kaiser Ferdinand n., von Heinrich, Truchseffen von Waldburg-Wald-see, an seinen Sohn rc. geben die Belege. Auch Gr. Hugo von Montfort schriebim I. 1629 in diesem Sinne an den kaiserl. Obersten Ossa und bat um Schonungseiner Unterthanen. Die Ankunft des Königs Gustav Adolf von Schweden und seinVordringen in Deutschland führte zwar die kaiserlichen und ligistischen Truppen ausOberschwabc» weg und das Land athmete freier. Aber es war nur eine kurze Ruheden Armen gegönnt. Nach der Schlacht bei Leipzig (7. Sept. 1631), in welcherGustav Adolf die Kaiserlichen unter Thlli schlug, breitete sich der Kriegsschauplatzauch über das südwestliche Deutschland aus. Im April 1632 kamen die Schwedennach Oberschwaben und in die Montfortischen Besitzungen. Gr. Hugo stob. Dreistarke schwedische Cavalleric-Regimenter kamen nach Tettnang und verweilten daselbst33 Wochen. Kein Eigenthum wurde mehr geachtet, selbst das Leben der Bewohnernicht geschont. Wer fliehen konnte, floh über den See in die benachbarte Schweizund rettete so, wenn schon oft nur sein nacktes Leben. Plünderung, Raub, Brandund übermüthige Zerstörung waren an der Tagesordnung. Der Verrath an Lebens-mitteln ging aus, Hungersnvth und in dessen Gefolge verheerende, pestartige Krank-heiten rieben die Bevölkerung auf. Urban Lidel, damals Pfarrer in Tettnang,schrieb im I. 1636 in sein Todtenbuch : „Niemand mehr hat allda wohnen können,
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