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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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wurde im Jahre 1633 von den Schweden besetzt und mehr befestigt, aber nach derSchlacht bei Nördlingen (September 1634) wieder verlassen, dagegen Ueberlingen,nachdem diese Stadt durch Ueberfaü von dem würtembergischen Obristen Wider-hold im Jahre 1643 eingenommen, im Jahre 1644 aber von den Barern wiedererobert worden war, nach dem Ulmer Vertrag den Schweden (1647) überlassenund von denselben, sowie Langenargen, bis im Sept. 1649 besetzt gehalten wurde.Durch diese Belagerungen litt das umliegende stäche Land sehr und wurde immermehr verwüstet und entvölkert. Zwar machte der Westphälische Frieden (24. Okt.1648) diesem 30jährigen, verheerenden Kriege ein Ende, aber die der schwedischenArmee in diesem Friedensschlüsse zugesicherten Entschädigungs- (Satisfactions-)Gelder legten auf die ohnedies verarmten Länder eine neue und große Last. Vier-zehn schwedische Cavallericregimenter rückten nach geschlossenem Frieden zur Beitrei-bung dieser Gelder in Schwaben ein, welche dem schwäbischen Kreis monatlich150,414 Fl. kosteten. Gr. -Hugo für sich und seine Herrschaft mußte monatlich925 Fl. bezahlen, zudem behielten die Schweden Langenargen mit einem Capitänund 66 Mann besetzt. Erst im I. 1650 wurden die Montfortischen Besitzungenganz befreit. Allein der Zustand derselben war höchst traurig. Des großer» Theilsseiner Bewohner beraubt, die noch vorhandenen selbst in größter Armuth lebend,waren die Gemeinden und die Privaten mit schweren Schulden belastet, ein großerTheil der Güter lag öde, das Einkommen der Herrschaft an Zehnten, Steuern ic.war unter diesen Verhältnissen gering und ungewiß. So traf Gr. Hugo seine Herr-schaft an, als er aus langer Verbannung in seine Heimath zurückkehrte. Aber auchGr. Hugo hatte zu seinem und seiner zahlreichen Familie Unterhalt (er hatte vonseiner Gemahlin Johanna Euphrosina, Heinrichs, Truchsessen von Waldburg-Wolfcck Tochter, sieben Kinder) zur Bestreitung der Kriegslasten rc. bedeutendeSchulden machen müssen, welche um so drückender auf ihn lasteten, als die Weni-gen, welche bereite Geldmittel besaßen, die allgemeine Geldnoth dazu benutzten, sichdurch Wucher immer mehr zu bereichern. Gr. Hugo suchte zwar seine finanziellenVerhältnisse zu ordnen und seine Schulden zu bezahlen, aber weder er noch seinNachfolger waren je im Stande, sich der letztern ganz zu entledigen und so legte dasallgemeine Unglück des 30jährigen Krieges den ersten Grund zu dem gänzlichenVerderben der Montfortischen Familie*). Gr. Hugo, um sich einigermaßen zu

i) Schon ehe die Drangsalen und Verheerungen des 30jähr. Krieges über Schwabenund die Montfortischen Besitzungen hereinbrachen, scheinen die finanziellen Verhältnisse desGr. Hugo nicht die geordnetsten gewesen zu sein, welches wohl schon daraus erhellt, daßer durch einen Vertrag vom 26. Juli t621 seine Münzstätte mit dem Münzregal untergewissen Bedingungen an einen Giovanni Fachinetti aus Genua, Kaufmann zu Como, auf