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der von allen Seiten auf ihn losstürmenden Gläubiger. Noch einmal trat Oestreich indas Mittel, indem es 700,000 Fl. den 1. Juli 1733 vorschoß, um die schreiend-sten Gläubiger befriedigen zu können, wohl auch um das Schloß wieder herzustellen.Ob Oestreich dieses that, um wirklich der Familie der Grafen von Montfort wiederaufzuhelfen, oder ob diesem Anlehen damals schon der Plan zu Grunde lag,die Oestreich so wohl gelegenen Herrschaften des Hauses Montfort für sich zu erwer-ben , hierüber sind die Meinungen verschieden. Für letztere sprechen, daß Oestreichmit Zustimmung des Gr. Fr. Xaver noch in demselben Jahre (1755) die HerrschaftWasserburg von den Gr. von Fugger auslöste und an sich zog, sowie die hohe Ge-richtsbarkeit über die Lindauischen Orte, welche, früher Montfort angehvrig, vonGr. Ernst im Jahre 1748 an die Stadt Lindau um 30,000 Fl. waren verkauftworden.
Gr. Fr. Xaver stellte im I. 1758 das Schloß zu Tettnang wieder her, wel-ches im I. 1753 noch unter seinem Vater zum Theil abgebrannt war. Mit denGläubigern aber konnte Gr. Fr. Xaver nicht fertig werden, so wenig als die kaiserl.Commission, an deren Spitze der damalige Fürstbischof und Cardinal von Rodt zuKonstanz stand. Vielmehr sah er sich nach mehrjährigen Unterhandlungen am Endegenöthigt, alle seine Herrschaften seinen Gläubigern zu überlassen, welche sie zuihrem Besten administrirten und nach einem Schreiben des Fürstbischofs von Kon-stanz an den Gr. Fr. Xaver von 1778 letzter» die Summe von 3000 Fl. als Su-stentationsgelder jährlich anwiesen. Zwar machte Gr. Fr. Xaver mit seinem BruderAnton, welcher unterdessen Generalmajor des schwäb. Kreises geworden war, nochfrüher einen Versuch, sich durch den Verkauf der Herrschaft Langenargen zu helfen.Wirklich kam auch im I. 1769 den 19. Febr. ein Kauf mit dem Churhause Baiernum 800,000 Fl. zu Stande^), allein Oestreich widersetzte sich diesem Verkaufe^),wodurch die Verlegenheit der beiden Grafen mit jedem Jahre größer wurde, da dieSchulden zuletzt auf 1,150,000 Fl. angewachsen waren. Oestreich schoß zwar(19. Nov. 1769) noch weiterer idOsOOO Fl. als ein Anlehen, mit 2 Proz. ver-zinslich, auf 30 Jahre vor, benutzte aber auch diese Gelegenheit und knüpfte weitereUnterhandlungen mit den Grafen an, welche ohnedies mit dem ihnen von den Gläu-
r) MemmwgerS O.-A.-Beschr. von Tettnang, S. 100.
2) Die Protestatlon von Seiten Oestreichs gründete sich auf mehrere Urkunden, undzwar von Kaiser Ferdinand II. vom 15. Mai 1631, Kaiser Ferdinand I». vom 30. Januar1837 und Kaiser Leopold I. vom 29. Oktober 1863, nach welchen auf den Fall des Ver-kaufs der Monfortischen Herrschaften oder des Aussterbens dieser Familie Oestreich dasAuslosungs- und resp. Heimfallsrecht zu haben behauptete, wogegen sich die Grafen von.Montfort und Baiern auf ein älteres Privilegium von Kaiser Rudolf ll. von 1587 be-riefen.