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Beschönigung deS begangenen Unrechts und ihres Gewissens fanden, besonders wennman einen Theil des oft mit Raub und Mord erworbenen Gutes zu sogen, from-men Stiftungen und Klöstern rc. verwendete.
Wenn überhaupt obiges auf alle Völker und Länder, die, sich der Barbareientreißend, der höhern Civilisation entgegengehen, angewendet werden kann, sowar dieses in Deutschland, namentlich in dem größer» Theile Sckwabenö, um somehr der Fall, als die alten -Herzoge dieses Landes, die Schirmer und Vertreterdes Rechts, die -Hohenstaufen, zu sehr auswärts, besonders in Italien, beschäftigtwaren und durch hundert Jahre in den Wessen große Gegner fanden, daß sie dar-über ihre eigenen häuslichen Angelegenheiten sowie die Erhaltung der Ordnung ver-nachlässigten, wozu noch kam, daß sie, besonders in dem großen Kampfe mit Rom,wo es die Weltherrschaft galt, der -Hülfe ihrer schwäbischen Vasallen und Edlen sosehr bedurften, daß sie gegen diejenigen, welche sich durch ihren kriegerischen Muth,durch Macht oder persönliche Tapferkeit auszeichneten, Nachsicht und Schonung, jaselbst Begünstigungen eintreten lassen mußten, wo das Recht und die GerechtigkeitStrenge und Bestrafung gefordert hätten. Der Sturz der Hohenstaufen, das so-genannte Zwischenreich, in welchem das deutsche Reich ohne eigentliches Oberhauptwar, vergrößerte diese Wirren besonders in Schwaben, wo kein Fürst Ansehen undMacht genug besaß, den Stürmen der Zeit, dem Trotze so vieler unabhängigenGrasen, Bischöfe, Aebte und Edlen zu gebieten. Kaiser Rudolf, der edle Habs-burger, wollte zwar diesem Unwesen in Schwaben, das er wohl aus eigener Er-fahrung am besten kannte, ein Ende machen, allein seine Vorliebe für die Ver-größerung der Macht seines Hauses, die Schwäche seiner eigenen Hausmacht, dienur in Verbindung mit andern, welche ihre selbstsüchtigen Interessen und Vortheileverfolgten, furchtbar und überwiegend war, die Kriege, in welche seine Kinder undEnkel wegen des deutschen Kaiserthums verwickelt wurden; der spätere Kampf mitden Schweizern, in welchen vaS östreich. Habsburgische Haus lange Zeit die Haupt-rolle spielte, waren nicht geeignet, Ruhe und Ordnung herbeizuführen und demReckte des Stärkern und den vielen Fehden ein Ziel zu setzen, die besonders Ober-schwaben verheerten. In der Mitte dieses Kampfplatzes lagen die Besitzungen derWerdenberger, zu schwach, um durch ihre Macht Friede und Ruhe, selbst wenn siegewollt hätten, zu gebieten, zu groß und mächtig, um unbeachtet und unangefoch-ten keinen Theil an diesen Kämpfen ihrer Zeit und ihres Vaterlandes nehmen zudürfen. Daher die Geschichte dieser Familie eine Reihe von Fehden (Kriege möchteich sie nicht nennen) ist, bis ihre Mitglieder bei dem Umschwünge der Zeiten, beider Ausbildung größerer und mächtigerer Volksvereine und Staaten ihre Selbststän-digkeit verloren und zu rienende» Räthen und untergeordneten Fürstcndiencrn herab-