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keine Erwähnung mehr), war auch dermal der schwächere Theil und außer Stande,den mächtigeren Montfortern zu widerstehen. Hugo nahm daher auch diesmal wie-der seine Zuflucht zu dem Rudolf, Gr. von Habsburg, dessen Macht und Ansehenseit 1261 bedeutend gestiegen waren. Dieser nahm sich seines Verwandten, desGr. Hugo, an, mag es aus persönlicher Zuneigung, mag es aber auch geschehensein, um die mit ihm wetteifernde Macht der Montforter in ihrem Aufblühen zubrechen und sein Ansehen, seinen Einfluß zu steigern. Es gelang ihm auch, denkriegerischen und in dieser Gegend mächtigsten Herrn, Bertold, Abt zu St. Gallen,aus der Familie v. Falkenstein aus dem Schwarzwalde, für die Sache des Hugo zugewinnen. Vereint zogen sie mit ihren Schaaren durch das Rheinthal, überschrittenden Rhein und fielen verheerend mit Raub und Brand in die Montfortischen Be-sitzungen um Feldkirch ein, belagerten die Stadt Feldkirch, mußten zwar wiederabziehen, ohne diese Festung einnehmen zu können, hieben aber aus Rache die Reb-stöcke und Fruchtbäume um, verbrannten auf dem Lande die Häuser und zogen sichin das Rheinthal zurück, woselbst Abt Bertold zwei feste Burgen, auf der Blattenund Heldsberg, zum Schutze gegen Montfort erbaute.
Durch diese Vorgänge wurden zwar die Montforter gezwungen, von fernerenFeindseligkeiten gegen die Werdenberger abzustehen und mit ihnen Friede zu machen,allein die Abneigung derselben, der innere feindselig gesinnte Geist, die Eifersuchtgegen den Rudolf v. Habsburg und seine Kinder, sowie gegen die Werdenberger,blieben und zeigten sich, sowie sich eine Gelegenheit darbot, noch lange durch offeneFehden. Dagegen schloffen sich von nun an Gr. Hugo, seine Söhne und Neffenfest und innig an das Haus Habsburg an, ob wohl zu ihrem wahren Vortheile?dies ist eine andere Frage. Gr. Hugo erhielt zwar Ruhe vor seinen nächsten Fein-den, wurde auch später vom Kaiser Rudolf sehr begünstigt, allein sowohl er alsseine Söhne und Nachkommen in alle Kriege verwickelt, die Oestr. Habsburg so oftund häufig in diesen Gegenden hatte, die die Verarmung der Werdenberger, denVerlust aller ihrer Herrschaften in diesen Gegenden grüßtentheils herbeiführten. Vorallem aber trat auch hier ein, was stets der Fall ist, wenn der Schwächere undminder Mächtige sich mit Mächtigeren verbindet oder verbinden mußz die Werden-berger hörten gewissermaßen aus, selbstständig zu sein und wurden die Diener desOestr. Habsburgischen Hauses. Doch kaun dieses dem Gr. Hugo weniger und nur-in soweit zum Vorwurf gemacht werden, als er, von seinen Verwandten gedrängtund notgedrungen diesen Schritt that. Wären die Besitzungen der Gr. von Mout-sort und Werdenberg vereint oder doch diese Familien unter sich in steter Eintrachtgeblieben, gewiß, ihre, aber auch die Geschichte unseres Vaterlandes würde sichanders gestaltet haben.