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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Lehm erhöhen zu wolle») sah Kaiser Rudolf es auch an, die vielen Güter, Lehenwelche durch das Aussterbcn der Hohenstaufen und sonst erledigt und nach den altenGrundsätzen des Lehenwesens dem Kaiser und Reich Heimgefallen waren, aber indiesen gesetz- und herrenlosen Zeiten theils mit offener Gewalt, theils unter ver-schiedenen vorgeschützten Rechtstiteln von den Stärkeren in der Nachbarschaft an sichgerissen worden waren, wieder an sich und das Reich zu ziehen.

Hierzu bedurfte der Kaiser einen Mann, der, mit den Verhältnissen dieser Ge-gend bekannt, Klugheit mit Festigkeit und Ansehen verband, um diese seine immer-hin schwierigen diesfallsigen Aufträge zu bewerkstelligen, besonders da die Geschäftedes Reiches, seine Angelegenheiten in Oestreich in a. des Kaisers Rudolf Thätigkeitund Zeit zu sehr in Anspruch nahmen und ihn nöthigten, oft von seinen Stamm-landen und diesen Gegenden abwesend zu sein.

Des Kaisers Wahl fiel auf den Gr. Hugo von Werdcnberg, welcher alle ob-angegebenen Eigenschaften in sich vereinigte und den er daher zu seinem Statthalter,des Reichs Landvogt in Oberschwaben und obersten Landrichter ernannte. HugoSbewährte Anhänglichkeit an ihn, seine persönliche Feindschaft gegen die Montforter,welchen es vorzüglich in dieser Gegend galt, mochten auch den Kaiser Rudolf zudieser Wahl bestimmen. Hierzu kamen wohl auch die früheren Geschäftsverhältnisse,in welchen Kaiser Rudolf, noch als Gr. von Habsburg, mit dem Gr. Hugo stand,der mit ihm verwandt war und welchen er seinen Onkel nannte. Den Beweis lie-fert Herrgott in seiner 6en. UsbsburZ. S. 284, in welcher Gr. Hugo als Vogtund Vormund der Elisabeth, des jüngern Grafen Hartmann von Kyburg Wittwe,und ihrer Tochter, Anna, in den Verkauf mehrer Güter einwilligt, welches GrafRudolf von Habsburg bestätigt. Eben so ist 1268 (S. 403) Hugo mit andernBürge für den Gr. Rudolf von Habsburg gegen den Gr. Meinhard von Tyrol, und1273 (S. 410) bekräftigt er mit Gr. Rud. v. Habsburg zu Bruk die Ueberlassungeiniger Güter der Grafen Rudolf und Eberhard von Habsburg-Laufenburg an dasKloster Wettingen statt des von ihrem Vater an dasselbe vermachten Legats und dieBezahlung dessen Leichenkosten, weil wir hierzu kein Geld haben, sagt die Urkunde.Diese Leichenkosten beliefen sich auf 7 M. S., das Legat auf 8 M. S., ein Be-weis, wie groß der Mangel an baarem Gelde damals war. Im I. 1274 erscheintGr. Hugo zum erstenmal als 4UÜ6X provineialis superioris Susvlas. Als solchemtrug Kaiser Rudolf seinem Landvogte auf, die dem Reiche entfremdeten (in justsallküllsta) Güter an des Kaisers und des Reichs Handen zu nehmen, zugleich truger aber auch in einer besondern Urkunde ihm auf, die Klöster Weingarten und Wei-senau zu beschützen, die Truchsessen Eberhard und Bertold von Waldburg und an-dere, welche Ansprüche an diese Klöster, namentlich unter dem Vorwande vonVogtrechten, machten, vor sein Gericht zu fordern und nach Recht diese Ansprüche