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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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ungewöhnlichen Nachgiebigkeit bewogen, ist nirgends angegeben, wohl mögen alledrei Ursachen zu diesem Entschlüsse zusammengewirkt haben. Damals wurden näm-lich die Zeitverhältnisse immer schwieriger, der Frieden der Umgegend oft gestört undder Parteiwuth ein neues, weites Kampffeld geöffnet. Denn in eben diesem Jahrewar es, daß Pabst Johann xxn. den Kaiser Ludwig neuerdings in den Bann thatund die deutschen Fürsten zum offenen Aufruhre aufrief und die Absetzung des letzte-ren, als eine Religionspsticht und Gewissenssache, eifrigst betrieb. Wenn nunschon die deutschen Reichsstände i» großer Mehrheit ein solches päbstliches Ansinnenmit deutscher Redlichkeit, selbst mit ernster Mißbilligung auf dem Reichstage zu Re-gensburg (1327) zurückwiesen, so gab es doch, besonders in Oberschwaben,das in seinem Vesitzthume so sehr zersplittert war, auch einzelne Herren und Städte,denen dieser kirchliche Bann zum Scheinvorwande diente, ihre Privatabsichten undVortheile zu verfolgen und ihrer oft tiefer eingewurzelten Feindschaft gegen den Kai-ser und dessen Freunde freien Lauf zu lassen. Zu den Freunden des gebanntenKaisers Ludwig gehörten aber damals die früheren Feinde desselben, die Grafen vonWerdenberg, wozu noch Gr. Hugo den Grund legtet wie man dessen Sohn Albrechtauch in innigster Verbindung mit dem Kaiser Ludwig bis zu des letzteren Tod findet.Noch im I. 1329 , 1. Mai^), zu Feldkirch verpfändete Gr. Hugo dem Rudolfvon Rvschach um 120 Const. die Vogtei zu Pcterszell. Im I. 13302) ver-kaufte sein Sohn Albrecht für sich allein, als Herr von Heiligenberg, einige Güterdaselbst. Gr. Hugo starb daher entweder zu Ende des I. 1329 oder zu Anfangdes I. 1330. Ob Gr. Hugo außer dem Gr. Albrecht noch mehrere Kinder gehabthabe und wer dessen Gemahlin war, finde ich nicht urkundlich nachgewiesen.

§. 4 .

Gr. Albrecht il. von Werdenberg zu Werdenderg und Heiligenberg.

(1330 1364.)

Der einzige bekannte Sohn des Gr. Hugo und dessen Nachfolger, im Besitzeder Herrschaften Werdenberg, Heiligenberg, Schmalnegg, Bludenz und Montafun,mehrerer Güter im Rheinthale, der Festen Wartau, Freudenberg und Hohentrüns,war Gr. Albrecht, so lange sein Oheim gleichen Namens lebte, der jüngere, spätermit Rücksicht auf seine beiden gleichnamigen Söhne der ältere genannt. Nach einer

1) S. Anhang Nr. 40, St. Galler llrk.

2) S. Anhang Nr. 4S<