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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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erkämpfte Freiheit nicht; gleich ihren Waldströmen stürzten sie sich wild und verhee-rend von ihren Alpen auf die benachbarten Länder. Nach Art aller zügellosen Frei-heitsnränner drangen sie das, was sie Freiheit nannten, Andern aus. Wolltendiese sich nicht in Güte dazu verstehen, so zwang man sie mit Raub, Mord undBrand. Dieser Strom, geleitet durch die Feindschaft gegen Herzog Friedrich vonOestreich, ergoß sich über die Vorarlberglschen Länder. Die Bludenzer wurden auf-gefordert, sich in den Bund ob dem See (s. folg. Paragr.) zu begeben. Alleindiese, eingedenk ihres Eides gegen ihren Herrn und aus Liebe zu ihm bereit, allesfür ihn aufzuopfern, weigerten sich dessen. Da fielen ihre Nachbarn, die zumBunde geschworen, feindlich in ihre Marken, trieben das Vieh von den Heerdenhinweg und plünderten im Namen der Freiheit (1405). Die Bludenzer, als dieSchwächerer, mußten es dulden, aber sie wankten in ihrer Treue gegen ihren Gra-fen nicht. Gr. Albrecht, der Vater der Seinigen, sah ihr Verderben, ohne helfenzu können, er rief daher die Einwohner zu sich auf sein Schloß zu Blurenz undsprach:Lieben Freund! dieweyl ich sieh, das Jedermann im Bunde ist, so müßenich und ir also under inen verderben, und was hülff mich üwer Verderben? Ichsag üwch lediger aller gelüpt und Ayd, so ir mir verpflicht sind, und tund wie an-der Lüth, das sol üch an euwern Ayden unschedlich fin, und helfft mir darvon."Da bewaffnete sich der Bürger und Landmann, mit ibm, ihrem Herrn, seiner Fa-milie und Dienerschaft zogen sie über Flachsen und Tannberg nach Roihenfels, woer in dem Schlosse seiner Vettern, der Grafen vou Montfort, sicher war, dannerst kehrten sie wieder in ihre Heimath zurück und unterwarfen sich dem Bunde.Durch den von dem Kaiser Rupert im I. 1408 zu Konstanz vermittelten Friedenwurde der Bund ob dem See aufgelöst und die früheren Verhältnisse wieder herge-stellt. Sowie dieses die Bludenzer erfuhren, sandten sie ihre Boten nach Rothen-fels, um ihren lieben Gr. Albrecht wieder abzuholen. Freundlich begleiteten sie ihnauf sein Schloß und schenkten ihm Rindfleisch, Käse und Butter, damit er seineHaushaltung wieder einrichten könne.

Man mag dieses hier Erzählte klein finden, immerhin ehrt es den Gr. Al-brecht, ehrt die Bludenzer, in deren Mitte ersterer von nun an friedlich bis in feinhohes Alter als Vater unter seiner Familie lebte. Da weder er noch seine beidenBruderSsöhne männliche Erben hatten, so beschloß er, seine Besitzungen an denHerzog Friedrich zu verkaufen, wohl weil er glaubte, daß seine Unterthanen ambesten dabei versorgt sein würden, da ohnedies die ganze Umgegend, Feldkirch, Sar-gans u. s. w. den Oestr. Habsburgischen Fürsten gehörte, wohl auch, weil er denKaufschilling zum Besten seiner Schwestertochter verwenden wollte. Doch bedingteer sich, daß ihm der Besitz und Genuß der Herrschaften so lange er leben würde,verbleiben und die von ihm seinen Unterthanen ertheilten Rechte und Freiheiten stets