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„ES ist euch wohl bekannt, biedere Männer, wer ich bin, der hier zu euch redet;geboren von Montfort, welcher Stamm an Adel und Alter keinem nachgibt. Aberwas ist adelig, als in der Freiheit leben und sie zu behaupten wissen. Das Unglückvoriger Zeiten hat einen Unterschied unter den Menschen aufgebracht, eure streitbareHand verbessert, was der Weltlanf böse gemacht; so treten die Menschen in die na-türlichen Rechte zurück und brave Männer sind Brüder, wie ihr und ich. Dortinnert jenen Felsen ist Werdenberg, das Erb meiner Vater; dort im Thäte unterjenen Höhen, im Rheinthale, ihr wißt es, haben meine Altvordern geherrscht,noch mein Vater, und ich selbst. Alles ist mir und meinem Bruder nach ihrer un-ersättlichen Ländergier von den östreichischen Herzogen entrissen, zum Lohn der allzu-viele Jahre geleisteten Dienste; wer sucht Dankbarkeit bei den Fürsten und Recht,wo Gewalt alles thut? Ich kenne die Herzoge, die Beschützer des Adels. Dem,der blindlins ihre Kriege thut und auf Landtagen schweigt und nichts Höheres kennt,als ihren Dienst, gönnen sie die Ehre, Diener zu fein; den ächten, alten Adel,dem die Freiheit so lieb ist, wie ihnen die Macht, den hassen sie, unsere Burgenmüssen Naubschlösser sein und aus Liebe zur Ordnung nehmen sie sie ein und behal-ten sie für sich. So darf Niemand reden zu der Gewalt, wider welche Niemandvermag; fraget eure Nachbarn unter Oestreich, haben sie es desto besser? sind siezufrieden? ES ist mir zu Ohren gekommen, daß der Herzog in Throl sich auf-macht wider Euch zu streiten. Biedere Männer, meine Brüder! Bedrängt? sollenzusammenhalten, das ist recht, vor Gott und Menschen. Trauet mir, Montforthat nie die Treue gebrochen. Lasset mich sein wie einer aus Euch, ein freier Land-mann zu Appenzell. Einige Kenntniß von des Feindes Manier, meiner VorelternMuth, mein Schwert und mein Blut (mehr nicht hat mir die ungerechte Gewaltgelassen), das ist euer, eure Sache sei mein, laßt mich leben und streiten wie eineraus euch." Ammann und die gemeinen Landleute zu Appenzell nahmen den Gra-fen Rudolf in ihren Bund auf, mit dem, daß sie ihm „beholffen und beraten sin,waz in angät, von sin selbs wegen, als von unser wegen.... auch sol er in allenunser Frieden und Unfriden beliben, auch sollent si beholffen send, gen Land undLüten und Burgen und stell, worzu er Recht hat, er hab sy jetzt in, als er gewun."Dagegen mußte er ihnen schwören, daß alle seine Festen offene Häuser der Appen-zeller sein sollten und daß er auch den Schwur, den die Appenzeller den Schwyzerngethan, als von ihm gethan angesehen und gehalten wissen wolle. Dieser Brief istden 27. Oktober 1404 ausgestellt i). Bemerkenswerth ist die Verpflichtung gegendie Schwyzer, als Beweis, daß damals die Appenzeller unter der Leitung der erstem
i) Das Original befindet sich !m Fnrstl. Fmstenb. Archiv. S. Anhang Nr. 1LS.