standen. Dieses Bündniß, so bereitwillig es von beiden Theilen geschloffen wurde,hatte doch auch etwaS Unnatürliches, welches eben dadurch den Bestand und dieFortdauer desselben gefährdete. Ein alter Graf, wie er selbst von sich sagte, ausden ersten und angesehensten Familien des Landes, will zu einer Zeit Landmann zuAppenzell werden, in welcher auch der geringste Edelmann in dem Landmanne mehr«ine ihm angehörige Sache, als einen Menschen sah, jedenfalls sich weit über den-selben erhaben glaubte, zu einer Zeit, in welcher die Kriege mit den Eidgenossenund den Graubündtnern, die Siege der ersteren über den verbündeten Adel, dieEifersucht und den Haß der letzteren auf das Höchste gesteigert hatten i). Allein,nur dieser Ausweg blieb dem Gr. Rudolf, nur durch das gegen Oestreich und denAdel ausgestandene Landvolk, namentlich durch den noch hochaustodernden Freiheits-.und Siegcstaumel der Appenzeller konnte er Befriedigung seiner Rache, die Demü-thigung seiner Feinde und die Wiedereroberung seiner ihm gewaltsam entrissenen Be-sitzungen hoffen. Der schlickte und eben deßhalb in der Regel richtigere Verstanddes Landmannes mochte wohl alles dieses einsehen, sowie, daß sie gewissermaßennur das Werkzeug der Rache in der Hand des Grafen Rudolf sein sollten; allein,es schmeichelte ihnen, daß ein so edler Graf ihr Landsmann sein wolle, auch fühltensie wohl, daß sie bei der sie so nahe bedrohenden Gefahr eines tüchtigen, ausgezeich-neten Anführers bedurften, der die Art, wie ihre Feinde den Krieg zu führen ge-wohnt waren, kannte, sowie die Anschläge derselben durch seine Freunde erfahrenkonnte. Auch scheint es in Absicht der Schwyzer, welche die Angelegenheiten derAppenzeller, als ihre Schutzverwandten, leiteten, darum zu thun gewesen zu sein,an die Spitze der zwar persönlich tapfern, aber an keine Kricgszucht und Ordnunggewöhnten Appenzeller einen Mann zu stellen, dessen persönliches Ansehen, Bil-dung und Kenntnisse sich eigneten, unter solchen Menschen Ordnung und Kriegs-zucht zu erhalten, von welchen oft allein der Erfolg eines Kampfes abhängt 2).
Uebrigens bestand doch ein gewisses Mißtrauen der Appenzeller gegen den Gr.Rudolf. Dieses zu beseitigen und um die Herzen und das Vertrauen seiner neuenLandsleute zu gewinnen, legte er alle Abzeichen seines früheren Standes und seinerVerhälinisse ab „und luff vuch mit Inen, als ein andrer Pur, wann si wollend
H Man lese die Spottgedichte beider Parteien und die Spott- und Schimpfnamen,die sich beide gegenseitig beilegten, um die Erbitterung, welche damals zwischen dem Adelund allen Eidgenossen herrschte, beurtheilen zu können.
2) Einen weiteren Grund, aus welchem die Schwyzer den Gr. Rudolf voranstellten,mochte wohl auch der sein, weil sie bei dem zwischen Oestreich und den Eidgenossen be-stehenden Frieden nicht offen auftreten und sich an die Spitze stellen wollten.