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den Engpässen und namentlich dem nur theilweise durchbrochenen Verhaue zuentziehen suchte, um ein freieres, offenes, für sie günstiges Schlachtfeld zu gewin-nen, ergriff panischer Schrecken das aus so vielerlei Bestandtheilen zusammengesetzteHeer und brachte dasselbe in Verwirrung, die in einer völligen Auflösung und wil-den Flucht endete. Die Zahl der Erschlagenen war groß, die verschiedenen Schrift-steller geben sie von beiläufig 600—900 Mann an, mehrere vom Adel wurdenerschlagen, mehrere Banner wurden die Beute der Appenzellcr. Gr. Rudolf hattediesen Sieg, in soweit ein Heerführer einen Sieg erfechten kann, erfochten, dennaußer dem zufällig eingetretenen Regen, dem persönlichen Muthe und wilden Tapfer-keit der Appenzeller und ihrer Verbündeten war dieser Sieg den von Gr. Rudolf mitWeisheit und Feldherrntalent getroffenen Verfügungen zuzuschreiben. Dieser Sieg,sowie das für die östreich. Verbündeten unglücklich ausgefallene Gefecht später ander Wolfshalden waren nicht nur für den ferneren Verlauf des Krieges, sondernauch für die Freiheit der Appenzeller entscheidend. Herzog Friedrich, dieses Kriegesmüde, besonders da der Adel, welchen dieser Kampf hauptsächlich anging, nachSold und Belohnung und Entschädigung von diesem ihrem Beschützer, und diesesnoch mit ungestümen Stolze forderte, zog sich in das Tyrol zurück und bestellte denGr. Friedrich von Toggenburg, statt seiner den Krieg fortzusetzen. Dieser aber,nur seinen eigenen Vortheil betrachtend, betrieb den Kampf nicht mit Nachdruck undbeutete denselben nur zu feinem Vortheile aus. Desto thätiger und rascher war Gr.Rudolf, waren die Appenzeller. Das Ansehen des erstern stieg durch diesen Sieg,sowie der Ruhm der letztern hoch. Der Zeitpunkt der Rache für den Gr. Rudolfwar gekommen. Mit den ihm mit dem, einem aufgereizten Volke eigenen Enthusiasmusganz ergebenen Appenzellern stürzte sich Gr. Rudolf auf den ihm feindlich gesinnte»Adel, den Anhänger» Oestreichs. Noch im Herbste d. I. wurde Grimmenstein, imBesitze Wilhelms von Eüne, Forstegg, Hohensar und andere Burgen zerstört, dieStadt Sargans verbrannt) Zwingenstein, welches Gr. Rudolf mit seinen Brüdernund seinem Onkel Albrecht 1395 dem Ulrich, Freih. von Hohenembs, verpfändethatte, wurde erobert, das Rheinthal besetzt, welches zu Appenzell schwur^).Zwingenstein räumten die Appenzeller ihrem Anführer um 375 U mit dem ein, daßer es als offenes Haus des Bundes besitzen und dasselbe gegen Ersatz zurück gebenwolle, wenn er den Bund mit Schwyz und Appenzell aufgeben würde.
Tschudi^) und nach ihm Joh. v. Müller behaupten, auch Werdenberg hättendie Appenzeller erobert und dem Gr. Rudolf zurückgegeben. Dem ist aber nicht so,indem der damalige Inhaber, Gr. Wilhelm von Montfort, das Landrecht zu Zürich
i) Zellwegers Gesch. des Appenzeller Volks. I. Th. S. 360.
-) Tschudi, 1 . Bd. S. 627 und Joh. v. Müller, li. Buch, Hauptst. 7, Bd. 7.