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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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vertreiben. Er beredete daher die Appenzeller, einen Zug gegen Vregenz zu unter-nehmen.

Im Frühjahre 1406 zogen sie aus, vor ihnen ging der Schrecken ihres Na-mens , noch mehr aber der Ruf her, daß sie nur die Befreiung der Landleute vondem Drucke des Adels und ihrer Herren wollten. Diese Aussicht auf Freiheit wirktemächtig auf den Landmann, denn wer will nicht frei sein und lieber herrschen, alsdienen? Daher kam es, daß sich der Landmann den Fortschritten der Verbündetennicht entgegensetzte, vielmehr freudig ihrer Ankunft entgegensah. Die Verbündetenunterwarfen sich daher auch den Bregenzer Wald ohne Mühe und Gr. Wilhelm vonMontsort sah sich genöthigt, hinter den festen Mauern der Stadt Bregenz die wei-teren Ereignisse abzuwarten. Diese Rache genügte aber dem Gr. Rudolf nicht, siesollte auch seinen Hauptfeind, den Herzog Friedrich, treffen, er beschloß daher, indas Tyrol zn ziehen. Die siegestrunkenen Haufen folgten ihm freudigen Muthes.Ruhig hielt sich der Tyroler Landmann, nur die Söldner und Freunde des Herzogs,verstärkt mit einem Haufen fremder, wilder Krieger, die auf ihrer Fahne die In-schrift führten:Hunderttausend Teufel soll unser walten, wenn wir die Baurenkerlsnicht schlagen/- stellten sich bei Landeck den heranziehenden Appenzellern und ihrenVerbündeten entgegen. Aber sie wurden durch die Tapferkeit der letzten überwundenund flohen mit Verlust ihres Hauptbanners und vieler Menschen bis Umbs zurück.Da benutzte Gr. Wilhelm von Montsort ihre Abwesenheit und eroberte wieder denBregenzerwald, auch sammelten sich die östr. Heereshaufen, die das Land des Bundesob dem See bedrohten. Dieses nöthigte die Bundesgenossen zur Rückkehr, docheroberten und zerstörten sie auf dem Heimzuge Hohenembs, besetzten den Bregenzer-wald, verbrannten Fußach und, mit Beute schwer beladen, kehrten die Appenzellerauf ihre Berge zurück. Auf diesem Zuge war Gr. Rudolf noch ihr Anführer.Später erscheint er nicht mehr an ihrer Spitze und er scheint sich zurückgezogen zuhaben. Was die Ursache war, ist nicht näher bezeichnet, ob ihm der Gang desKrieges, welcher immer mehr einen revolutionären Charakter annahm, welcher denAdel mit gänzlichem Verderben bedrohte mißfiel, oder ob es ihn verdroß, daß daseroberte Rheinthal die Appenzeller besetzt und für sich behielten, auch Werdenbergdem Grafen Wilhelm nach dem mit ihm geschlossenen Waffenstillstände überließen,oder war es der dem Volke eigene Wankelmuth, dem es nicht mehr gefiel, ihn anihrer Spitze als ihren Anführer zu sehen, kurz, wir finden seiner nicht mehrerwähnt, bis zum Abschlüsse des Friedens. Der Krieg hatte unterdessen seinenFortgang. Zwar schloß die Stadt St. Gallen und die Appenzeller zu Arbon den6. Juli 1406 mit dem Herzog Friedrich einen Waffenstillstand bis Georg! künftigenJahres, welcher aber nicht strenge gehalten worden zu sein scheint, doch wurde derKrieg hauptsächlich in dem Thnrgau geführt, wo es dem östreich. gesinnten Adel