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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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und dem Bischof von Konstanz galt. Erst im Winter 1407 (9. Nov.), gemahntvon den Mitgliedern des Bundes ob dem See, zogen die Verbündeten vor Bregenz,um diesen letzten festen Punkt, die Schutzwehr Oberschwabens, zu erobern. Gr.Wilhelm von Montfort zu Bregenz, welcher sich in der Stadt befand, leistete vereintmit den Bürgern tapfern Widerstand. Dadurch verzögerte sich die Belagerung.Ein strenger, kalter Winter fiel ein und viele aus dem Belagerungsheere zogen heim.Unterdessen vereinigten sich die schwäbischen Adelsbündnisso mit den Fürsten undStädten, um die sie alle bedrohende Gefahr abzuwenden. Vereint zogen sie miteinem mächtigen Heerhaufen in aller Stille nach Bregenz, überfielen das so ge-schwächte Belagerungsheer den 13. Januar 1408, zwangen dasselbe die Belage-rung aufzuheben und mit bedeutendem Verluste in wilder Eile sich in ihre Gebirgezu flüchten i).

Nur Altstetten und Rheinegg behielten die Appenzeller besetzt. Da kam KaiserRupert selbst mit mehreren Fürsten des Reiches nach Konstanz, um den Krieg zubeendigen. Dahin berief er die Boten der Appenzeller, der Stadt sowie des Klo-sters St. Gallen. Auf den 1. April 1408 trafen sie in Konstanz zusammen.Endlich, am Mittwoch vor dem Palmtage 1408 wurde von dem Kaiser das Frie-densinstrument ausgestellt 2). Dasselbe unterschrieben die Boten von Appenzell,St. Gallen, Feldkirch und andere Orte, welche in dem Bunde ob dem See standen,auf der andern Seite Herzog Friedrich von Oestreich, die Bischöfe Eberhard vonAugsburg, Albrecht von Konstanz , Gr. Eberhard von Werdenberg, Herzog Ulrich

1) Zu dieser Niederlage der Appenzeller vor Bregenz trug ein armes Weib von Bre-genz, Guta mit Namen, vieles bei. Hinter dem Ofen liegend, hatte sie anbrachtet dieAnschläge, die Stellung u. s. w. der Belagerer vernommen und diese den Bregenzcrn,ihren Landsleuten, eröffnet. Auch das zum Entsatzc heranziehende Heer des Adels wurdehiervon in Kenntniß gesetzt, daher auch der lleberfall so vollkommen gelang. KonradKupferschmied aus Schwyz, der Bundeshauptmann, wurde erschlagen, mit ihm 80 Appcn-zeller und St. Galler, welche seinen Tod rächen und das Hauptbanner retten wollten'Im Ganzen blieben gegen 500 Mann aus dem Bundesheere, das Banner, alle Belage-rungswerkzeuge, unter welchen die große Appenzellcrin, eine Wursmaschine, die 10 Zentnerschleuderte, gingen verloren. In wilver Flucht und Schrecken eilten die Appenzeller überden Rhein in ihre Berge. Nach dem Entsatze wurde die Guts aufgefordert, ihre Beloh-nung selbst zu bestimmen. Sie verlangte eine ihrem niedern Stande angemessene Verpfle-gung bis an ihr Lebensende und als Auszeichnung, daß die städtische Nachtwache zu Bre-genz von Martini bis Lichtmeß die neunte Abendstunde mit dem Beisätze:Ehret Guota"anrufen sollte. So entstand der NameHerguota". Dieser Ruf wurde in Bregenz bis1812 beibehalten, in welchem Jahre ihn der bairische Landrichter verbot, doch wurde erschon wieder im Jahre 1814 eingeführt. Mcrkleö Vorarlberg, IN. Abth. S. 162-

2 ) Bei kieuxnrt llock. ällem. dio. 1168 ist diese Urkunde abgedruckt.