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Oestreich anschloß und dadurch in dessen Kriege und Fehden mit verwickelt wurde,anderseits die Größeren und Mächtigeren aus ihnen ein 'Ansehen und eine Nnabhän-keit gewannen, die sie über alles Recht und Gesetze hinwegsetzten, anderseits ihreeigene Zerstörung und Herabwürdigung gewaltsam herbeiführten, da sie sich selbst indiesen Fehden und Kriegen, in die sie sich stürzten oder hineinziehen ließen, gegen-seitig aufrieben. So sank der alte Adel im Allgemeinen immer mehr herab, wurdezu Söldnern, die in dem Kriege eine Erwerbsquelle suchten, verarmte, starb ent-weder aus oder mußte seine verheerte» Famiüenbesitzungen nach und nach veräußernund sich fremden Fürsten hingeben. Dieses war auch das Schicksal, wenigstens zumTheil, der beiden Bruder Rudolf und Hartmann von Werdenberg, von welchenbesonders der erstere durch das Erbe des Donats von Vatz mächtig in Graubündtenwurde, ein kriegerischer, tapferer, dabei aber heftiger und leidenschaftlicher Man»war, der sich eben dadurch viele Gegner und Feinde zuzog. Nach dem Tode KaiserHeinrichs VH. und der hierauf erfolgten zwiespältigen Kaiserwahl hielt er sich mitseinem Bruder, seinen Vettern aus dem Hause Werdenberg., an den Friedrich denSchönen von Oestreich. Alte Anhänglichkeit an das Habsburgische Haus, dasBeispiel seiner Verwandten und Freunde, welche sich fast alle für diesen Friedricherklärt hatten, selbst die Uebermacht, welche er dadurch in den rbätischen Landenübte, mochte die beiden Bruder bewogen haben, für Friedrich und gegen den KaiserLudwig den Baier Partei zu nehmen. Hierzu mochte noch kommen, daß selbst dieMontforte sich für Oestreich erklärt hatten und die Bruder des östr. Friedrichs rei-cher an Land und Geld, als Ludwig, ihre Helfer besser bezahlen konnten. Dadurchschien auch die alte Feindschaft zwischen den Werdenbergern und den Montforternbeigelegt, wie dann auch in dem großen Familicnrathe, welchen Gr. Wilhelm vonMontfort-Tettnang mit seinen lieben, getreuen Freunden, Herren und Vettern hielt,um seiner Tochter Meta einen Vogt in der Person seines Freundes und Vasallen,Friedrich v. Ried, zu setzen und deren dereinstigc Vermählung mit Gr. Albrecht vonWerdenbergs Sohn zu verabreden, Gr. Rudolf von Sargans mit dem BischöfeRudolf von Chur, dessen Bruder Ulrich von Montfort, Haug von Monrfort-Bregenz, Haug und Albrecht von Werdenberg-Heiligenberg zugegen war, so, daßvon allen Zweigen dieser Familien gleichsam die Häupter sich einfanden. Die Ver-hältnisse in Beziehung auf ihre Verbindung mit Oestreich änderten sich zwar bald,indem nicht nur obiger Gr. Wilhelm von Montfort-Tettnang, sondern auch GrafHeinrich von Werdenberg (s. unten §. 14) die'Partei des Kaisers Ludwig des Baiernergriffen und besonders nach der für Oestreich so unglücklichen Schlacht bei Mühl-dors (1323) viele vom Adel, die sonst dem Kaiser Friedrich anhingen, nach Men-schenschensttte nun mehr der siegenden Fahne Ludwigs folgten. Rudolf und seinBruder Hartmann blieben der Sache des gefangenen Friedrichs getreu, was um so