291
thume Chur gehörte in den Zeiten der Karolinger und Ottone fast ganz Grau-bündte» und die Bischöfe waren die allein gebietende» Herren, besonders so langesie mit dem geistlichen Oberhirtenamte die Stelle der Herzoge, die in des KaisersNamen die Provinz Rhätien verwalteten, vereint besaßen. Unglückliche Ereignisse,der Geist der Zeit, hatten die Macht der Bischöfe in Chur untergraben. Der größteTheil ihrer Besitzungen war dem Adel als Lehen, oft als Unterpfand für erhalteneGeldvorschüfse und Dienste, hingegeben worden. Diese Lehenleute und Vasallen,besonders die mächtigeren aus ihnen, hatten das Joch der Abhängigkeit von demBisthume abgeworfen und standen um diese Zeit als unabhängige, selbstständigeHerren da, so die Grafen von Toggenburg, die Frh. von Rhäzuns, Matsch u. s. w.Bischof Hartmann scheint den großen Plan, seinem Ehrgeize entsprossen, gefaßt zuhaben, den alten Glanz seines Bisthums wieder herzustellen, die dem Bisthumeentzogenen Güter und Länder wieder an sich zu ziehen und das alte Abhängigkeits-verhältniß des Adels von ihm und seinem Bisthume wieder herstellen zu wollen.Eine große Aufgabe, zu deren Lösung es ihm nicht an geistiger Kraft und festenWillen, aber an Klugheit und äußerer Macht fehlte, so daß auch ihn das gewöhn-liche Loos solcher Männer traf, die, indem sie alles wollen, ihre Kräfte überschätz-ten, am Ende das, was sie haben, verlieren. Ehe Hartmann seine Fehden mitMailand, den Freih. von Mätsch rc. beigelegt hatte, fing er eine neue Fehde mitden ihm so nahe verwandten Grafen von Werdenberg zu Werdenberg und Heiligen-berg an. Am Montag nach Allerheiligen 1393 i) ichloß er zu Sargans mitdem Abte Burkard von Pfeiffers, seinem Bruder, Gr. Heinrich zu Werdenberg inVaduz, seinem Vetter, Gr. Johann von Werdenberg in Sargans und Vatz einBündniß gegen die Grafen Albrecht von Werdenberg zu Bludenz, Albrecht vonWerdenberg zu Heiligenberg, Brüder, und die Grafen Hugo und Rudolf von Wer-denberg zu Werdenberg und Rhcinegg, Söhne des im Jahre 1392 verstorbenenGr. Heinrich, eines Bruders obiger beiden Albrecht. Mit einem feierlichen Eid-schwure verbanden sich die Ersteren, mit vereinigter Macht die Werdenberger so langezu bekämpfen, bis alle ihre Anforderungen an letztere befriedigt sein würden. Bi-schof Hartmann verlangte die von Bischof Heinrich im 13ren Jahrhundert erbauteFestung Herrenberg bei Sevelen für das Bisthum, Abt Burkard klagte über Ein-griffe in die Rechte seines Klosters, die beiden Grafen Heinrich und Johann wolltenWartau u. s. w. Vor allem aber scheint Bischof Hartmann, das Haupt des Bun-des, seine Gefangenschaft an dem Grafen Albrecht rächen zu wollen. Die Fehdebegann und wurde mit abwechselndem Glücke nach damaliger Sitte durch verheerende
') Tschudi, I. Th. 76. S. 580 und Merkles Vorarlberg, IN. ALch. S. 148.