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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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letzten Lebenstage in Ruhe zuzubringen. Allein wo der innere Frieden fehlt undLeidenschaften, durch eine Reihe von Jahren genährt, vorherrschen, da achtet derMensch selbst sein Greisenalter und das Grab nicht, dem er nahe steht, wenn es sichdarum handelt, seine in ihm zur andern Natur gewordenen Pläne und Ansichten zuverfolgen. Herzog Friedrich, sein alter Gegner, bot ihm hierzu die schönste Gele-genheit dar.

Das Conzil zu Konstanz hatte begonnen, um den großen Zwiespalt in derKirche zu heben. Papst Johann XXUl. , vielseitig angeklagt, sah seiner Absetzungentgegen, die Vater der Kirchenversammlung schienen ihm nicht geneigt. Er wolltedaher durch seine Entfernung von Konstanz eine Auflösung des Konzils bewirken. Er,der mit mehr als fürstlichem Prunke in Konstanz eingezogen war, floh in der Klei-dung eines gemeinen Reitersmannes von da hinweg. Herzog Friedrich von Oestreichhatte den Papst von den Gränzen Italiens durch Tyrol und Vorarlberg geleitet,hatte ihm Schutz und Beistand versprochen und benahm sich ganz als dessen Be-schützer. Mögen ihm große Versprechungen, mögen, wie Mehrere behaupten, ihmvom Papste geleistete bedeutende Geldvorschüsse oder aber sein eigener Stolz, einachtungswerthes, ritterliches Gefühl, seinen Schützling nicht zu verlassen, sowiedie Abneigung gegen den Kaiser Sigismund den Herzog Friedrich bewogen haben,er begünstigte die Flucht des Papstes, folgte ihm nach und führte ihn nach Schaff-hausen und Freiburg im Breisgau, ihm ungehörige Städte. Allgemein war dieErbitterung der in Konstanz versammelten Kirchenprälaten, der Reichsfürsten undselbst des Volkes gegen den Herzog Friedrich. Den 15. März 1415 war HerzogFriedrich mit dem Papste entflohen, schon den 28. d. M. erfolgte der Spruch desgegen Friedrich ohnedies feindselig gestimmten Kaisers Sigismund, welcher denselbenin die Acht und Aberacht erklärte, alle Fürsten und Städte des Reichs, selbst dieEidgenossen aufforderte, ihn zu bekriegen, seine Unterthanen ihres ihm geleistetenEides entband und sich an das Reich anzuschließen befahl. Der Stern HerzogsFriedrich schien erloschen und er ohne Rettung verloren. Da zeigte sich die traurigeGemeinheit Vieler, welche, von Herzog Friedrich gehoben und begünstigt, seinohnedies trauriges Loos durch Abfall von ihrem alten Herrn und Wohlthäter unddurch feindliche Angriffe gegen ihn erschwerten.

Niemand darf es daher wunderu, in der Reihe der Feinde des Herzogs Frie-drich den Bischof Hartmann und dessen Verwandte zu sehen, die als seine altenGegner vielseitig beschädigt und beeinträchtigt worden waren. Alle alten Fehdenund Zerwürfnisse wurden beseitigt und der alte Bischof Hartmann, an der Spitzeseiner Mannen, vereint mit seinen Verwandten, schloß sich freudig an den GrafenFriedrich von Toggenburg an und zog mit ihm persönlich schon im April d. I. ge-gen den Herzog Friedrich zu Felde. Sämmtliche Vorarlbergischen Besitzungen wurden