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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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8. 11. 12 u. 13.

Die Grafen von IVerÄenberg-Sargans in Sargans, die Nachkommen des

Grafen Nudolf.

§. 11 .

Graf Johann Gras Nudolss Sohn.

(1362 1400.)

Gr. Johann l. war der einzige Sohn des bei Plürs ermordeten Gr. Rudolfvon Werdenberg zu Sargans und der Ursula, geb. Freifrau von Vatz. Als solcherwar er auch der einzige Erbe der Besitzungen seines Vaters (Sargans. Freudenbergund die Kastenvogtci des Klosters Pfäffers) und der Güter seines Großvaters, Do-nar v. Vatz (s. §. 3). Beide zusammen bildeten ein Gebiet, welches ihn zu einemder mächtigeren Herren dieser Gegend machte. Nur die Herzoge von Oestreich, alsHerren Tyrols und der Althabsburgischen Güter, waren ihm überlegen und GrafFriedrich von Toggenburg war ihm an Macht gleich. besonders als letzterer dieGüter seines Onkels Donat von Toggenburg an sich gezogen hatte.

Gr. Hans erkannte diese seine Stellung wohl, aber statt sich seiner Macht dazuzu bedienen. den Frieden und die Ruhe seines Vaterlandes mit starker Hand zu er-halten, was ihm besonders mit Hülfe des Landmanns, welcher der ewigen Fehvenmüde war, leicht gewesen und wodurch er der Wohlthäter der ganzen Umgegend ge-worden wäre, oder aber durch umsichtige und kluge Benutzung seiner Kräfte alsSchiedsrichter bei den steten Streitigkeiten seiner kriegerischen Nachbarn aufzutretenund sein eigenes Gebiet zu vermehren, wie es Gr. Friedrich von Toggenburg that,mischte sich Gr. Hans in alle Kriege und Fehden dieser Zeit. Sein hochadeligerSinn, seine Anhänglichkeit an seinen ihm an Geist überlegenen Vetter, den BischofHartmann, waren die Ursachen, daß er seine Kräfte in steten Fehden erschöpfte, mitfeinen Unterthanen verarmte und nach und nach mehrere seiner ererbten Güter ver-äußern mußte. Besonders glaubte er dem Volksgeiste, wie er durch die glücklichenFortschritte der schweizerischen Eidgenossen und die Vereine der Städte am Bodenseeund Schwaben geweckt und auch unter die Landleute der Umgegend verbreitet wurde,statt denselben zu seinem Vortheile zu benutzen, schroff entgegentreten zu sollen.Allein was vermag die physische Macht gegen den allgewaltigen Geist der Zeit, dem