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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Deutschland oft und ohne besondere DiSpensatioii, wenn der Auszuknetende nur nichtPriester war, geschah, so war es ihm leicht, die Dvmprobstei an seine» Großneffen,dem Gr. Rudolf, obschon derselbe auch noch sehr jung war, zu übertragen. Diesesscheint in dem I. 1376 bis 1378 geschehen zu sein. In dieser seiner Eigenschafterscheint Gr. Rudolf in den Akten des Bisthums Chur und den Familienurkundenbis auf das I. 1430. In diesem letzten Jahre kommt noch Rudolf als Domprobstzu Chur vor, doch scheint er bald darauf, jedenfalls vor 1440, gestorben zu sein,da in diesem Jahre der zum Bischof in Chur erwählte Konrad von Rechberg vorseiner Wahl schon einige Zeit die früher von dem Gr. Rudolf von Werdenberg innegehabte Stelle eines Domprobstes besaß.

Graf Heinrich, der jüngste der vier Werdenberg-Sargansischen Söhne des altenGr. Hans, tritt daher in der Geschichte seiner Familie vorzüglich heraus, theilsweil er, seine Bruder überlebend, einziger Besitzer der Werdenberg-Sarganfer Güterwar, theils auch diesen Zweig der Familie allein fortpflanzte. Gr. Heinrich warnach allen den Zügen, welche die Geschichte von seinem Charakter zurückgelassen hat,wenn man diese zusammenstellt und prüft, ein guter, redlicher, aber auch schwacherMann, welcher seiner Zeit und dem zum Theil revolutionären Treiben derselbennicht stark noch klug genug war. Von seinem Vater und Voreltern hatte er einenberühmten historischen Namen geerbt, welcher in der Wagschaale der Zeitereignissedieser Gegend immer noch vieles galt und ihn aufforderte und bestimmte, an allem,was geschah, und zwar in der aristokratischen Richtung, welcher Oestreich und dergrößere Theil des von ihm abhängenden, besonders niedern Adels huldigten, Theilzu nehmen und so bisweilen wohl gegen seine eigene Ueberzeugung , immerhin aberzu seinem eigenen Nachtheile zu handeln und den Keim des Verderbens seines Hauses,welchen sein Vater gelegt hatte, fortzupflanzen. Der Geist der Fürsten, aus derMitte des höher» Adels hervorgegangen, strebte nach Souveränität und unbeschränk-ter Alleinherrschaft, während die Vereine der Städte und Landgemeinden nach Un-abhängigkeit und selbst auch nach Herrschaft strebten. Beide drückten auf den niedernAdel bald mehr, bald minder, je nachdem sie in demselben ein größeres Hindernißoder ein Beförderungsmittel ihrer Pläne sahen; immerhin waren die vereinzeltenMitglieder des Adels die Werkzeuge bald der Fürsten gegen den Bürger und Land-mann, bald der letzteren gegen die ersteren. Wenigen aus ihnen war es gegeben,gleich einem Gr. Friedrich von Toggenburg, aus eigener überwiegender Geisteskraftund umsichtiger Klugheit die Zeitereignisse zu bewältigen und wirklich groß und un-abhängig dazustehen. Dem Gr. Heinrich von Werdenberg war diese Kraft, diesekluge Umsicht nicht gegeben, daher er auch so lange er lebte ein Spielball Andererwar und in fremde Fehden und Kriege zu seinem Schaden verwickelt, eine stets un-tergeordnete Rolle spielte. Anfänglich hielt er sich mit seinen Brüdern ziemlich