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ruhig. Die Kriege der Appenzeller (1403—1408) berührten »ach dem Verlustevon Sarins die Gränzen des Gebietes seiner Familie nicht, doch waren sie so ernst,erregten dem Fürsten und dem Adel, von welcher Partei er immer sein mochte, sogroße Besorgnisse, daß alle älteren Feindschaften und Fehden ruhten und ein Jederängstlich dem Ansgange dieses Kampfes entgegensah. Kaum war die so nahe dro-hende Gefahr vorübergegangen (1408), als Bischof Hartmann von Chur seinealten Pläne und Feindschaften wieder aufgriff und den von ihm abhängigen GrafenHeinrich mit hineinzog. So war letzterer des erster» Helfer und Bundesgenosse indessen Fehden mit Rhäzuns, Mätsch, Toggenburg und Oestreich (1410—1414),später gegen den Herzog Friedrich von Oestreich, als dieser (1415) von dem KaiserSigismund in die Acht und seiner Länder verlustig erklärt wurde. Im I. 1416starb Gr- Hartmann, Bischof von Chur, das Haupt der Werdenbcrg-SarganserFamilie. Dadurch verlor Gr. Heinrich eine immer noch kräftige Stütze, besondersda der zweite Nachfolger Hartmanns im Bisthume Chur gegen ihn nicht günstig ge-stimmt war. Dieser war Bischof Johann III. mit dem Beinamen: Naso. SeinVorführer, Johann H., Abundius genannt, behielt die Würde eines Bischofs vonChur kaum ein Jahr bei, kam vielleicht »ie persönlich nach Chur und ließ sich(1417) zum Erzbischof von Riga befördern.
Noch in demselben Jahre wurde obiger Johann Naso zum Bischöfe in Churgewählt. Bei der großen Verarmung des Bisthums und den äußerst verwirrtenVerhältnissen desselben, in welche es unter dem Bischöfe Hartmann gekommen war,gab sich Bischof Johann alle Mühe, dem Bisthume wieder aufzuhelfen. Unter an-dern Mitteln, die er deßhalb ergriff, kündigte er auch dem Gr. Heinrich, uneinge-denk was die Werdenberger bisher für das Bisthum gethan und gelitten hatten, dievom Bisthume herrührenden Lehen im I. 1418 auf. Als Gründe für dieses seinVerfahren gab er an, Heinrich und seine Bruder Rudolf und Hugo hätten die Le-heumuthung versäumt, mehrere von diesen Lehen veräußert, auch sich einiger demBisthume zustehenden Rechte angemaßt und die Zinszahlungen der von dem BischöfeHartmann auf seine eigenen Güter gemachten Schulden, welche an die drei Brüderund Grafen von Werdenberg-Sargans mittelst Erbschaft übergegangen waren, un-terlassen. Diese Lehen von dem Bisthume Chur, der bedeutendere Theil der Vatzi-schen Erbschaft, war fast alles, was Gr. Heinrich und seine Brüder an Güternnoch besaßen und selbst ihr Wohnsitz Ortenstein war darunter begriffen. Allerdingsscheinen die von Werdenberg die Verlegenheit sowie die Gunst ihres Vetters, desBischofs Hartmann, dazu benutzt zu haben, um auf Kosten des Bisthums sichRechte anzueignen, die wenigstens zweifelhaft waren. Auf der andern Oeite warBischof Johann, wie ihn auch Joh. v. Müller schildert, ein Mann, der nur, wiefast immer die Büchergclehrten, auf den Buchstaben seiner alten Urkunden sah, ohne
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