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brachte er keine mit), er überlasse es dem Herzog Sigismund, den Tag der Trauungder beiden Brautleute nach Belieben festzusetzen. Sofort wurden nun die Verlobtengetraut. Kaum war die eheliche Einsegnung vorüber, als ein Eilbote vom Kaiserankam mit dem Befehle, die Trauung auszusetzen, bis er selbst wieder in seine Erb-lande zurückgekehrt sein würde. Die ihm nun mitgetheilte Nachricht von der schonvollzogenen Trauung erbitterte den Kaiser sehr und vermehrte seine Besorgnisse,Herzog Sigismund möchte zu seinem Nachtheile und zu Gunsten des Herzogs Al-brecht über seine Länder verfügen. Kaiser Friedrich sendete daher im I. 1487 sei-nen vertrauten Freund, den Markgrafen Albrecht von Brandenburg, nach Tyrolmit dem Auftrag, den Herzog Sigismund zu vermögen, ihm oder seinem Sohne,dem römischen Könige Maximilian, seine Länder, namentlich Tyrol, noch Lei seinenLebzeiten abzutreten. Markgraf Albrecht übernahm den Auftrag und wendete sich, inTyrol angekommen, an obigen Frh. Hans Werner v. Zimmern und den Gr„ Georgvon Werdenberg-Sargans, die er als die vertrautesten und einflußreichsten Rätheund Freunde des Herzogs Sigismund kannte, um durch sie den letztem zu bereden,er möge dem Wunsche des Kaisers entsprechen. Allein Herzog Sigismund nahmdiese Zumuthung so übel auf, daß er dem Markgrafen Albrecht durch obige Räthebedeuten ließ, sich alsogleich aus Tyrol zu entfernen, widrigenfalls er ihn alseinen Friedensstörer festnehmen und gefangen setzen werde. Markgraf Albrechterstattete über diesen Erfolg seiner Sendung Bericht an den Kaiser und schob alleSchuld des Mißlingens derselben auf die Räthe und nächste Umgebung des HerzogsSigismund, besonders auf den Gr. Georg von Werdenberg und den Freih. JohannWerner von Zimmern. Der alte Kaiser wurde hierüber sehr aufgebracht, besondersals man, seinen Zorn benutzend, ihm beibrachte, man habe dem Herzog Sigismundglauben gemacht, der Kaiser habe ihn wollen vergiften lassen, um seine Länder ansich ziehen zu können. Es war eine kleinliche Hofintrike, deren man den Gr. Hugovon Werdenberg-Heiligenberg und den Dieter v. Hamas, ersterer ein bekannter alterFeind des Gr. Georg von Werdenberg und des Johann Werner v. Zimmern vor-züglich beschuldigte.
Kaiser Friedrich war, was die Vergiftungsgeschichte betrifft, gewiß unschuldig,fühlte sich durch diese Verläumdung sowie wohl auch durch das Fehlschlagen seinerWünsche so sehr beleidigt, daß er sogleich die Fürsten und Edlen, die sich an seinemHofe oder dessen Nähe befanden, versammelte, so eine Art von Reichs - oder Für-stentag bildete, ihnen die große Unbild, die ihm widerfahren war, klagte unddarauf antrug, den Herzog seiner Länder zu entsetzen, dessen Räthe und Freundeaber, welche die Ursache dieser Verläumdungen und Zerwürfnisse seien, als Landes-verräther und Majestätsverbrecher wegen Felonie in des Reiches Acht und Aberachtzu erklären und zu Folge dessen ihnen alle ihre Besitzungen im deutschen Reiche zu