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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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entziehe» und sie als ehr- und rechtlos zu erklären. Dieser harte Spruch wurdeauch gegen die letzter», ohne sie gehört zu haben, als den Mindermächtigen, sogleichgefällt und den 18. Januar 1488 von Jnnspruck aus, wohin der Kaiser sich selbstbegeben hatte, ausgeschrieben.

Dieser traf den Gr. Georg von Werdenberg-Sargans, Freih. Joh. Wernervon Zimmern, Gr. Heinrich von Fürstenberg, Gr. Oswald von Thierstein, welchein die Acht erklärt und der Vollzug derselben mehreren Fürsten und Grafen aufge-»tragen wurde ^). Die Landesentsetzung des Herzogs Sigismund wurde aber nichtausgesprochen. Die Politik befahl nämlich, ihn, als den Mächtigern, zu schonen,indem, wenn er in Unmuth oder Verzweiflung sich ganz dem Herzog von Baiernin die Arme geworfen und seine 1 ander ihm abgetreten hätte, ein Bund sich gebildethaben würde, welchem selbst der Kaiser Friedrich nur schwer gewachsen gewesen wäre.Gras Georg von Werdenberg halte keine Länder mehr zu verlieren, da all' seinEigenthum schon in fremden Händen war, doch mußte er Jnnspruck und den Hofdes Herzogs Sigismund verlasen und scheint sich vorerst auf das Schloß Ortenstcin,dem Eigenthume seines Schwiegervaters, Gr. Eberhards von Sonnenberg, dessenNutznießung er sich vorbehalten hatte, zurückgezogen zu habe», wenigstens machteer sich anheischig gegen den mit ihm geächteten Freih. v. Zimmern, dessen ältesten,erst vierjährigen Sohn zn sich auf den Ortenstein und an Kindesstatt anzunehmen.Allein fand Gr. Georg in Ortenstein hier für sich keine Ruhe, oder hielt er sichnicht für sicher daselbst, er mußte auch Graubündten verlassen und floh in dieSchweiz, wo er sich theils in Glarus und Schwyz aufhielt, auch in andern Ortensich herumtrieb. So finden wir ihn im I. 1490 in St. Gallen, woselbst er mitGaudenz von Mätsch einen Vergleich zwischen den vier Schirmkantonen des KlostersSt. Gallen und den Appenzellern zu Stande brachte, wodurch weitaussehendcn,gefährlichen Händeln begegnet wurde. 'Nachdem endlich auf diplomatischem WegeKaiser Friedrich mit dem Herzog Sigismund wieder dadurch ausgesöhnt wurde, daßletzterer dem König Mar gegen jährlich 52000 Fl. und andere Vortheile alle seine

>> Ueber den Vollzug dieser Achtseiklärung rc. gegen den Freih. Zoh. Werner vonZimmern und die aus derselben hervorgegangenen Kriege mit den Grafen von Werdenbergzu Heiligenbcrg rc. finden sich unter §. 19.

Außer den hier Benannte» traf der kaiserl Spruch und die Achtserklärung noch weiterden Gaudenz, Gr. v. Matsch zu Kirchberg, den Ritter Hans v. Wehingen, GotthartHartlieb, Christian Winkler, Thomann Piperlä, Jakob Streit und Paul Marquardt,alle des Herzogs Sigmund Räthe und Amtleute. MerkleS Vorarlberg, in. Abth. S. 215.

Einige führen unter den Geächteten auch den Ulrich, Freih. v. Brandis auf, abernach obiger Urkunde mit Unrecht.