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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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das erstemal in einer Urkunde, nach welcher beide ihre Dörfer Nau, das obere»Westheim" und daS untere Ostheim" genannt, an die Stadt Ulm um 10000 Fl.ungarisch oder böhmisch, dann 1113 A guter Jtaliger Heller und 400 U guterHeller Würzburger Währung verkaufen *). So war der Anfang gemacht mit Ver-äußerung der ursprünglichen Stammgüter. Die allgemeine Noth und die für denGr. Heinrich hieraus entstandenen Geldverlegenheiten mögen wohl die Ursache gewesensein, als, nach Angabe der Chroniken, die Umgegend Ulms in dieser Zeit (1370bis 1376) von Freunden und Feinden verheert und mit Raub und Brand verwüstetwurde. Graf Heinrich sah sich dadurch in die traurige Nothwendigkeit versetzt, beiJuden und Christen Geld aufzunehmen, wie er dann auch den 10. Mai 1373 mitseinen beiden Söhnen Konrad und Heinrich V. dem Cunz Hundfuß einen Schuldbriefausstellt. Dieser hier genannte zweite Sohn, Gr. Heinrich, muß frühe, und zwarmit Anfang des Jahres 1375 gestorben sein, denn in einem Verweisbrief, äst.Thomastag 21. Dez. 1374 2) nannte sich im Gegensatze von diesem seinem SohneGr. Heinrich noch den ältern, während in einem weiteren Schuldbrief an obigenKonrad oder Cunz Hundfuß, nur noch Heinrich, der Vater, mit seinem SohneKonrad allein vorkommt. Eben so in einer Urkunde vom 1. November 1376,nach welcher Gr. Heinrich von Werdenberg--Albek und sein Sohn Konrad dem Al-brecht und Conz von Asiasingen (Aßelfingen im O.-Amte Ulm) gestatten, der Annavon Ettenstadt, des obigen Albrechts Frau, ihre Heimsteuer auf Aßelfingen ver-sichern zu dürfen 2).

Noch einmal schien das Glück dem Gr. Heinrich lächeln zu wollen. Gr. Eber-hard der Grüner von Würtemberg zog 1376 auf den Befehl oder unter dem Namendes Kaisers-Karl IV. vor die Stadt Ulm, woselbst sich auch im September d. I. derKaiser mit seiner Gemahlin selbst einsund. Ulm, die Stadt, wurde ernstlich bela-gert, ihre Unterwerfung schien nahe und unzweifelhaft^). Gr. Heinrich, der

r) Ulmer Stadtarchiv. Der Ort Langen»», Oberamt Ulm, bestand in früherenZeiten aus zwei Orten, dem obern und untern Dorfe, zwischen welchen, ein Raum vonetwa '/§ Stunde lag, aus welchem später (1520) ein drittes Dorf, das Mitteldorf, erbautwurde, aus welchem bei Zerstörung der beiden entfernter gelegenen Orte das dermaligeLangenau entstand.

2) Stadt Ulmer Urkunde.

s) Urk. im K. W. Staatsarchive.

4) Wie wenig man daran dachte, daß Ulm sich mit Erfolg vertheidigen könne oderauch nur wolle, scheint auch daraus hervorzugehen, daß die Kaiserin mit ihrem ältestenPrinzen, dem nachmaligen Kaiser Wenzel, selbst in das Lager mit ihrem weiblichen Hof-lager als zu einem Siegesseste kam. Von chein Lager soll sie sich unter Bedeckung aufden Michaelsberg begeben haben, um die Stadt zu übersehen, sei aber von dem feind-