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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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denselben ankämpfend entgegen. So ging es auch mit dem Nachlasse der Judenschul-den. Da die Juden dieselben nicht mehr einfordern konnten, ja mit Recht befürchtenmußten, man werde ihnen, wie es oft geschah, ihre Schuldbriefe und andere Be-weismittel mit Gewalt abnehmen, so traten sie in der That, theils auch nur zumScheine diese ihre Forderungen an Christen ab, welche dann diese Schulden bei dengeistlichen und weltlichen Gerichten als ihre eigenen einklagten und entweder auf demRechtswege, oder auch, wenn einige Aussicht auf Erfolg vorlag, mit gewaffneterHand auf Bezahlung drangen. So scheint es auch dem Gr. Heinrich ergangen zusein. Kaum war einigermaßen der Friede in der Umgegend Ulms hergestellt, alsdie Gläubiger des Gr. Heinrich und seines Sohnes mit Ungestüm auf Bezahlungdrangen und beide zum Verkauf ihrer Güter nöthigten. Im I. 1377^) verpfän-dete Gr. Heinrich an Gerwich von Sulmentingen Bernstadt, Beimerstetten undDenkenthal an Jörg von Rammingen zwei Höfe zu Weidenstetten und an UlrichGossolt in Ulm (1377) ihre Güter in Stuppelau. Auch die Ulmer griffen nachihrem Eigenthume Langenau, welches sie im I. 1371 erkauft hatten. Daher auchgegen den Inhalt obiger Urkunde einige den Verkauf von Langenau auf das Jahr1377 verlegen^). Um nun den gänzlichen Untergang zu beschleunigen, trenntensich Vater und Sohn. Letzterer (Konrad) wollte auch Herr sein. Gr. Heinrichübergibt ihm daher (23. Juni 1379) die Vogtei über das Gotteshaus Mengen undüber alle dessen Leute und Güter, auch Albek mit aller Zugehörve scheint er ihmüberlassen zu haben, denn schon den 6. Februar 1383 verkauft Graf Konrad vonWerdenberg an die Stadt Ulm: Albek, die Vestin und Gut, Eigen und Lehen,auch das Holz, genannt Engelkay, um 6830 Fl. ungarisch und böhmisch in Gold^).Gr. Heinrich, sein Vater, machte Einsprache gegen diesen Verkauf. Die Sachewurde vor dem kaiserlichen Hofgerichte zu Rottweil verhandelt und Gr. Heinrich be-wogen, vor demselben nach dessen Recht mit Hand und Mund seine Vestin undStadt Albek mit dem Holz Engelkay den 17. September 1383 seinem Sohne Konradzu überlassen, welcher sie sodann am nämlichen Tage vor dem Hofgerichte, den Ab-geordneten der Stadt Ulm, Ulrich, Ammann, und Heinrich Nidhart, dem Stadt-schreiber, feierlich übergab. Heinrich der Vater scheint es, wollte mit dem Ver-kaufen nicht zurückbleiben, er verkaufte daher den 10. Januar 1389 mit seinerFrau Agnes (geb. Gräfin von Hclfenstein) an die Stadt Ulm alle seine eigenen'Leute zu Weidenstetten, Sinnabrunn, Braitingen, Holzkirch, Bissingen, Göttin-gen, Börslingen, Ettlinschieß, Ballendvrf und was sie beide an eigenen Leutennoch überall haben mögen, und den 9. Dezember d. I. gleichfalls an die Stadt

>) Oberamtsbeschreibung von Ulm, S. 169.2) Ulmer Stadtarchiv.

-) Ebendas.