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mit Ausnahme des Kirchcnsatzes zu Enslingen, welche sich Würtemberg vorbehielt.So wurde Gr. Eberhard von Werdenberg der Stifter der Werdenberg-Sigmaringi-scheu Linie und legte den Grund znm Besitze der Grafschaften Sigmaringen undBeringen, welche dieser Familie bis zu ihrem Erlöschen verblieben. Dagegen ver-kaufte Gr. Eberhard die entfernter gelegene Herrschaft Schmalnegg mit der Feste um6300 Fl. im I. 1413 an die Stadt Ravensburg*). Mit Schmalnegg und unterobiger Kausssumme begriffen verkaufte Gr. Eberhard von Werdenberg auch mehrereGüter bei Odertheuringen, namentlich in Bitzeuhofen und Neuhaus, welche die vonWerdenberg von den alten Herren von Thenringen oder von Deuring erworbenhatten. Gr. Eberhard nahm seinen Sitz zu Sigmariugen, woselbst er das Schloßwieder herstellen und mehr befestigen ließ, daher Gr. Eberhard von Würtembergauch laut Urkunde, Ost. Stuttgart am Mittwoch nach Allerheiligentag 1416, fürdiese Auslagen, sowie andere, welche Gr. Eberhard von Werdenberg für ihn machte,den vier Söhnen desselben gestattete, die Summe von 1903 Fl. auf den Pfand-schilling von Sigmaringen zu schlagen 2). Gr. Eberhard war, wenigstens nachseines Vaters Tode (1383) bis an sein Lebensende würtembergischer Rath und lebtedaher fast immer am Hofe und in Gesellschaft des Gr. Eberhard von Würtemberg.Doch scheint er auch in seiner Jugend nach damaliger Sitte mehrere Fehden mitge-fochten zu haben. Im I. 1369 belagerte Bischof Walter von Augsburg, aus derFamilie von Hochschlitz, die Stadt und Feste Mindelheim, welche damals HerzogFriedrich von Teck inne hatte. Den 4. Okt. 1369 zog Bischof Walter aus, umdie Feste näher zu untersuchen. Unvorsichtig näherte er sich der Stadt, ein Pfeiltraf und tödtete ihn. Gr. Eberhard von Werdenberg soll, nach Pl. Brauns Ge-schichte der Bischöfe von Augsburg, diesen Pfeil abgeschossen haben. Andere nennenden Gr. Albrecht von Werdenberg zu Heiligenberg als den Schützen. Die Belage-
*) Der Ort Schmalnegg ist ein Pfarrdorf Stunden von Ravensburg auf einerAnhöhe, welche das tiefe, romantische Schmalneggcr Thal schließt, gelegen. Ober demDorfe lag das feste Schloß, der Wohnsitz der alten Welfischen Vasallen: Konrad, einerihrer Nachkommen erhielt durch Heirath um das Jahr 1240 die Güter der Schenken vonWinterstetten mit dem Schenkenamt der Hohenstausischen Herzoge von S chwaben. Aberschon im I. 1288 wurde Schmalnegg an den Gr. Hugo von Werdcnberg zu Werdenbergkaiserl. Landvogt, verkauft, von dessen Nachkommen der Besitz an die von Werdenberg zuTrochtelfingen überging. Die Stadt Ravensburg blieb mit einer kurzen Unterbrechung(1677—1607), da Schmalnegg auf 20 Jahre um 30,000 Fl. dem Kloster Weingartenverpfändet war, im Besitze dieser Herrschaft bis zu ihrer Mediatisirung (1803). DasSchloß wurde 1647 von den Schweden belagert, erobert und zerstört. — S. Oberamts-Beschreibung von Ravensburg, S. 224.
2) Anhang Nr. 180.
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