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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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besagt, so wie eine weitere Urkunde üü. Kirchheim am Markustag 1448 nach welcherGraf Hans zur obigen Summe noch 600 fl. zulegt, dagegen Graf Ulrich von dem-selben auf den weißen Sonntag jährlich eine Gült von 750 fl. und zudem noch einDienstgeld von 300 fl. verspricht, endlich eine dritte clü. Stuttgart am Montag nachdem Sonntag ksminisooro 1449, in welcher Gr. Ulrich mit dem Richter und gan-zen Gemeinde zu Baiingen, als Selbstschulden sich für das Kapital und Zinsen ver-schreiben und zehn adeliche Bürgen stellen, unter welchen Graf Sigisinund von Ho-henberg, Ulrich von Rechberg zu Hohenrechberg, Albrecht Tum von Neuenburg,Ritter; Stephan von EmerShofen, Hofmeister.Hans von Liebenstein, Wil-

helm von Wöllwarl u. a.

Ungetrübt und ungestört blieb das gute Vernehmen zwischen den beiden Häu-sern Würtemberg und Werdenberg bis auf das Jahr 1456, in welchem dasselbe aufeine auffallende Art gestört wurde (s. unten). Gr. Hans von Werdenberg, welchermit seinem Bruder Eberhard in schönster Eintracht lebte, ein Feind von Fehden war,suchte die vielen Zerwürfnisse, in welche er verwickelt wurde, stets durch Unterhand-lungen, Schiedsgerichte, mehr auf rechtlichem Wege als durch Waffengewalt beizu-legen. Ueberhaupt fing damals das Zeitalter an, eine friedlichere Gestalt anzunehmen.Die Fehden, wenn sie auch nicht aufhörten, wurden wenigstens seltener und fandenmehr unter den Fürsten als wie früher unter den Einzelnen statt. Die Ursache die-ser Erscheinung findet sich theils in der gesteigerten Civilisation und höhern Geistes-kultur, theils aber in den vielen politischen Vereinen, die sich besonders in Schwabenbildeten. Es fand sich keine einigermaßen unmittelbare freie Stadt, welche nicht ineinem Vereine, eine Art von Schutz und Trutz - Bündnisse, mit andern Städtenstand. Aber auch der Adel hatte ähnliche Vereine errichtet, die den Namen adclicherGesellschaften führten und sich durch die Beinamen zum Löwen (Löwenritter) zumheil. Wilhelm, zum heil. Georg rc. unterschieden. Die Noth und das Bedürfniß hat-ten derartige Verbindungen zur Selbsterhaltung und zum Schutze der Einzelnen gestif-tet, die damaligen Kaiser, besonders K. Friedrich sie begünstigt. Nur wenige vomAdel gab es, welche aus ungebändigter Freiheitslust und stolzem Selbstvertrauen auseigenen Muth und Kraft sich nicht einer oder andern dieser Verbindungen angeschlos-sen hätten; selbst mächtige Fürsten waren oft denselben beigetreten. Ein Haupt-grundsatz dieser Vereine war, nicht nur Schutz des Einzelnen gegen fremde Angriffe,sondern auch friedliche Beilegung der Zerwürfnisse, welche unter ihren Mitgliedernselbst entstanden. Jedes Mitglied mußte sich nämlich verbindlich machen, sich demAusspruche des Bundes zu unterwerfen. Sclbsthülfe war verboten. Der Haupt-mann, aus der Mitte der Bundesmitglieder und von diesen gewählt, ernannte beisich ergebenden Zerwürfnissen Schieds- oder Austragsrichter, meistens Verwandteoder Freunde der Streitenden, welche mit Minne (Güte) oder nach Recht die Streit-