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Nachdem diese ihn fast drei Jahre beschäftigt hatte*) und die Feste nun vollendetdastand, so griff er wieder zu seinem alten Handwerke. Zuerst sah er sich um Ge-sellen und Heiser um, die er an Eberhard von Klingenberg, dem die Feste Hohent-wiel gehörte, und in einem Wolf von Asch, der zwar keine eigene Burgen mehr be-saß, aber ,,ain verrumbt, waidlicher Ryterisch Mann was. 2)" Diese drei errichtetengegen alle gesetzlichen Vereine eine Verbindung, nach welcher „die drey Besten, Ho-henwiel, Schalksburg und Schramberg irer dreyen offne Heuser sein, deren si widerire Widcrwertige aller Notturfft nach gebrauchen mechtcn."
Während diese nun so der ganzen Umgegend gewissermaßen den Krieg faktischerklärt hatten, da „het Herr Gr. Hans von Werdenberg der Elfter ain Raißigenknecht, Huttelin genannt, bey sich gehabt, dem ist nun ettwas schwach oder Wider-riß vom bemelten Grave Hansen, das er vermaint Mich vertragen sollt gewesensein, begegnet; welches der Huttelin so hoch zu hertzen gefaßt, daß er zu Hannsenvon Rechberg, Eberharten von Klingenberg, und Wölfen von Asch sich verfüegt,und Inen von solcher Schmach wegen sich zum höchsten beklagt, mit beger, dieweiler sonst von Jedermann verlassen, und siner Ansprach halber, Niemand sich widerdie von Werdenbergs einlassen. Sy wollten Im doch zu dem er Fucg und Recht,und das Im ain pillicher Abtrag umb zugefuegte schwach und erlittene Costenbeschehe, förderlichen behelffen. Sollichs begern bewilligten die drey genannt vonAdel mit Vertröstung, daß sy Im mit Willen und allem irem Verwegen zu Rechtverhelffen wölten. Begerten hierauff an Gr. Hans von Werdenberg das er mitHuttelin sich vertragen wellt, und als Inen solchs Gr. Hans, dessen sy sich dannwol versahen, abschlug, schriben sy Im, und allen von Werdenberg ainVecht (Fehde) zu/' Nun fingen diese drei die Fehde gegen Hans von Werdenbergwirklich an. Hans von Rechberg brach mit 300 Reutern und einigem Fußvolk amDienstag vor Maria Geburt (6. Septemb. 1464) von Schramberg auf, zog mitseinen Haufen dem Heuberg und der schwäbischen Alb zu, brandschatzte die Dörfer
a) Hans von Rechberg war um diese Zeit in Diensten Herzog Ulrichs von Würtem-berg, bei dem er im großen Ansehen stand und im I. 1461 die Stelle eines Feldhaupt-manns bekleidete. Im I. 1462 verließ er die würtemb. Dienste, da er sich mit mehrerenRäthen des Grafen Ulrichs nicht vertrug, auch letzterer seinem Rathe, den PfalzgrafenFriedrich nicht in seinen eigenen Landen anzugreifen, kein Gehör geben wollte. Sattl. ui.
2) Die Geschichte dieser Fehde und des Todes Johanns von Rechberg ist aus derZimmer'schen Chronik, so viel möglich mit Beibehaltung der eigentlichen Worte, erzählt.In soweit dieselbe die Sitten dieser Zeit bezeichnet und der Tod des Hans von Rechbergwenigstens einige entfernte Ähnlichkeit mit der Ermordung des Geßlers durch Wilh. Tellhat, dürfte sie vielleicht dem Leser nicht unangenehm sein.