413
theil Gr. Ulrichs von Würtemberg am Dienstag nach St. Gallustag 1464 vor dieFeste Schalksburg, diese wurde strenge belagert und den 13. Dezember endlich ausMangel an Lebensmitteln übergeben und dann zerstört. Eberhard von Würtembergzog in Person ander Spitze des Aufgebots der Seinigen vor das Schloß Schramberg,besetzte die Burg Schiltach und lagerte sich da im Thale mit seinem Heerhaufen.»Nun aber war dennest (dennoch) Hans von Rechberg und die so bei Im in guotterAnzall, so gar nit belegert, Er macht zum Schramberg auß, und wieder hinein,seines Gefallens, es were gleich bei Tag oder Nacht kommen, derhalben ließ er denvon Würtemberg im Thal fin Lager haben, und thet sambt seinen Heistern ettlicheAusfall in die umbügende Landschafft, da brant und raubt er alles, was er ankam»men und Im davon bringen mochte." So zog Hans von Rechberg dann auch amMartinstag (11. Nov.) auf Hornberg, eine würtemb. Besitzung im Kinzingerthaleraubte vieles Vieh und trieb es Schramberg zu. Da bot der würtemberg. Amts-
nigstciis so wohlgeordnet, damals nirgends sich fand. 2n Würtemberg so wie in ganzSchwaben bestand zwar auch die Leibeigenschaft, doch wurden die Lasten derselben in Wür-tembcrg frühe gemildert und die Leibeigenfchastsgcfälie in bestimmte Abgaben und Leistun-gen verwandelt, dem Bürger und Landmann sein Eigenthum nicht nur ihm, sondern auchfür seine Erben gesichert; dadurch wurde das Band der Anhänglichkeit und Liebe des Wür-tembergers an sein Fürstenhaus enger geknüpft und die Grafen von Würtemberg konntenohne Besorgniß, ohne Gefahr ihren Bürgern und Landleuten Waffen anvertrauen, ja eswurde ihnen sogar zur Pflicht gemacht, eine bestimmte Waffenrüstung sich anzuschaffenund im guten Stande zu erhalten. Dabei war das Land in Aemter eingetheilt. Jederderselben hatte einen Amtmann oder Bogt, oder Nentmeister, welche, namentlich die erstern,meistens vertraute, kriegserfahrne Männer aus dem Adel waren. Ihnen waren Förster,Jäger, Waldschulen und einige bewaffnete Amtsknechte, letztere auch zur Handhabung derinnern Sicherheit, beigegeben. Wurde nun das Land angegriffen oder hatten die Landes-herr» sonstjjcine Fehde oder einenMrieg auszufechten, so wurden die Aemter aufgebotenund der Vogt und Amtmann zogen an der Spitze ihrer Amtsuntergebenen in das Feld,wobei ihr untergeordnetes Amispersonal, namentlich die Förster und Jäger, in den Waffenund dem Kriegshandwerk geübte Männer, die kleinern Heercsabtheilungen anführten. DieseEinrichtung hatte znr Folge, daß Würtemberg immer zum Angriff und zur Abwehr gerü-stet war, daß die Grafen vereint mit dem Landadel, ihren Vasallen, immer ein verhält-nißmäßig^zahlreiches, wohlausgerüstetes Heer ausrücken lassen konnten; sowie daß die Ko-sten des Unterhalts eines solchen Heeres, dem sie keinen Sold, nur den Unterhalt unddieses nur zum Theil, geben dursten, für den Regenten und das Land minder groß waren;während andere Fürsten und Städte mit ihren gemietheten Söldnern ihre Geldvorräthebald erschöpft sähen und sie weniger und minder zuverlässigere Krieger hatten, da dieseSöldner, besonders wenn der Sold nicht richtig ausbezahlt wurde, entweder Meutereienanstifteten, ihren Soidherrn und Anführer verließen, oft sogar vernichteten und jedenfallsnach geendigtem Kriege zu einer wahren Landplage wurden, indem sie zum Verderben derLandleute, raubend und diese bedrückend umherzogen, bis sie anderswo wieder Sold fanden.