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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Zum Danke für die großen und vieljährigm Dienste, welche die Grast» vonWerdenberg, besonders Hugo, dem Kaiser Friedrich geleistet hatten, bewirkte der-selbe die Erwählung des Gr. Friedrich von Zollern, eines Schwestersohns der Wer-denberger, zum Bischof zu Augsburg, statt des auf dem Reichstage verstorbenenBischofs Johann, ungeachtet die mächtigen Herzoge von Baiern selbst nach Augs-burg kamen, um die Wahl des HerzogS Johann von Baiern, damaligen Dom-probstes zu Augsburg, durchzusetzen. Auch ertheilte der Kaiser, äü. Speier den14. Dez. 1486, dem Gr. Georg die Vollmacht, die bewilligten noch rückständigenBeiträge zum Kriege gegen den Mathias, König von Ungarn, von den Bischöfenvon Chur und Konstanz, den Prälaten von St. Gallen, Reichenau, Salem,Weingarten, Petershausen, Kreuzlingen, Weisenau, Schußenried, Roth, Jsny,St. Bkasten, Rvggenburg, Ochsenhausen, Zwifalten, Elchingen, Pfäffers unddem Landkommenthur des deutschen Ordens zu erheben^), endlich schenkte der Kaiserden drei Brüdern von Werdenberg (1488) die ansehnliche Herrschaft Mößkirch unddie Lstreich. Pfandschaft Oberndorf, wie diese Johann Werner Freih. von Zimmernbesessen hatte.

Letztere Schenkung war bedeutend und würde nicht nur die Besitzungen derGrafen von Werdenberg ansehnlich vergrößert, sondern auch mehr abgerundet haben.Allein eben diese Schankung wurde die Quelle vieler Verdrießlichkeiten für den Gr.Hugo und seine Brüder und verursachte einen vieljährigen Streithandel (1488 bis1504), welcher die Obigen nicht nur fast bis an ihr Lebensende beschäftigte, son-dern sich auch für Werdenberg im Ganzen ungünstig endete. Dieser ZimmerscheStreithandel gewährt ein lebendiges Bild der damaligen Zeiten, weßhalb ich densel-ben auch ausführlicher zu behandeln mir erlaube 2).

Die Freiherren von Zimmern waren eines der ältesten adeligen Geschlechter inSchwaben. Ihr Alter, ihre nicht unbedeutenden Stammgüter, auch theilweise diePersönlichkeit ihrer Mitglieder hatte ihnen die Achtung und die Anhänglichkeit, be-sonders des niedern Adels, dessen Repkäsentanten sie waren, erworben. Mit denGrafen von Wcrdenberg standen sie auf freundschaftlichem Fuße, und durch dieHeirath des Gr. Eberhard von Werdenberg mit Anna, Freiin von Zimmern; denGroßeltern der Grafen Hugo, Georg Md Ulrich von Werdenberg, waren diese

H Orig.-Urkunde im Fürstl. Fnrstenb. Archiv, s. Anhang Nr. 305.

2) Die Hauptquelle dieser Geschichte ist die sog. Zimmersche Chronik, Manuskript imFürstl. Fürstenb. Archiv zu Donauöschlngen, nach welcher Herr Rukgabcr, Pros. zu Rott-weil, diese in seiner Geschichte der Grafen von Zimmern, S. 112, erzählt hat, dochwurden auch hier noch andere Urkunden benutzt, durch welche die Erzählung mitunter einenandern abweichenden Gang nimmt.