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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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beiden Häuser nahe verwandt, auch erwiesen sie sich gegenseitig sehr wesentlicheDienste, wie wir in der Rechbergischen Fehde (1464) noch gesehen haben. Alleinum diese Zeit trübten sich diese freundschaftlichen Verhältnisse. Schon im I. 1463entstanden zwischen den von Werdenbcrg und von Zimmern Streitigkeiten über denUmfang und die Gränzen ihrer beiderseitigen Jagdgerechtigkeiten, doch wurden diesedurch ihre gemeinschaftlichen Freunde bald wieder beigelegt, auch waren sie nicht vonder Art, um eine vieljährige Feindschaft zwischen ihnen zu begründen. Ein nähererund wichtigerer Grund dieser Entfremdung lag wohl in den damaligen politischenVerhältnissen. Beide Häuser wollten sich vergrößern und emporbringen, besondersdie Werdenberger, aber auch ein ähnlicher Ehrgeiz beseelte den Johann WernerFreih. von Zimmern.

Erstere, besonders nach der Heirath mit einer Gräfin von Würtemberg unddem großen Ansehen, in dem sie am kaiserl. Hofe standen, schlössen sich immer mehrden fürstlichen Häusern, besonders aber dem Kaiser Friedrich und dessen PrinzenMar an, währenddem die Freiherren von Zimmern sich mehr an den niedern Adelund an den Herzog Sigismund von Oestreich-Tyrol hielten. Nun standen aberletztere und Kaiser Friedrich immer, wenn schon nicht in offenen feindlichen, dochgespannten Verhältnissen, die auch auf ihre beiderseitigen Diener übergingen undauch bei diesen eine feindselige Stimmung und Richtung hervorbrachten *). Zudemwaren viele namentlich aus dem ritterschaftlichen Adel, welche dem Landfrieden, demSchwäbischen Bunde und selbst dem Kaiser nicht so ganz hold waren, aus ganzverschiedenen, oft eigennützigen Gründen. Alle diese waren den Grafen von Wer-denberg, besonders dem Gr. Hugo, gram, weil sie in ihm das Werkzeug und denVertrauten des Kaisers sahen, welcher diese wie sie sagten ihnen nachteiligen Neue-rungen hauptsächlich bewirkt hatte. Auch war Johann Werner von Zimmern einunruhiger, thätiger Mann, der das Vertrauen und die Freundschaft des HerzogsSigismund in einem sehr hohen Grade besaß, so daß er einerseits sich auf dieseGunst stützte und sich vieles herausnahm, anderseits er auch fast alles gethan habenmußte, was Herzog Sigismund that. Es war daher Ehrgeiz von beiden Theilen,Eifersucht und offenbar verschiedene politische Ansichten und Richtungen, welche dieGrafen von Werdenberg und den Gr. Johann Werner von Zimmern trennten undam Ende zu Tvdtfeinden machte. Sowie Gr. Hugo von dem Kaiser hoch geehrt,mit Aufträgen, Aemtern und Ehrenstellen begnadigt wurde, so ernannte auch Her-zog Sigismund von Tyrol den Joh. Werner von Zimmern zu seinem Rache und(1468) zu seinem Vogt und Stellvertreter in Bregenz, woselbst er sich mit seiner

') Vergl. Fuggers östr. Ehrcnspiegel, V. B. 34. Hptst. S. S63.